Was von Minuszinsen wirklich zu halten ist

Wer einen Onlinekredit, oder auch einen sonstigen Ratenkredit aufnehmen möchte, bezahlt dafür üblicherweise Zinsen. Je nach Zinsphase, mal höhere oder niedrigere Zinsen. Aktuell befinden wir uns in einer Niedrigzinsphase und einige Anbieter locken mit Minuszinsen. Das bedeutet theoretisch, man muss weniger Geld zurückbezahlen, als man aufgenommen hat.

Doch welche Bank vergibt wirklich Kredite mit negativen Zinsen?

In der Regel keine Bank, denn die Banken leben von den Zinsen, ansonsten würde die Kreditvergabe keinen Sinn ergeben. Das mittlerweile der Kreditnehmer Geld durch einen Kredit verdienen soll, hört sich eher abstrus an.

Bei der Suche nach den richtigen Antworten zeigt sich allerdings schnell, dass es sich im wesentlichen um eine gute Marketingaktion handelt. Denn wer überhaupt eine Chance auf Minuszinsen haben möchte, muss sich mit geringen Kreditsummen begnügen. Mehr als 1.000 Euro sind in der Regel nicht drin, das genügt vielleicht für einen kurzfristigen Engpass, aber nicht für eine größere Anschaffung.

Zwar werden auch schon mal 10.000 Euro Kredit mit negativen Zinsen angeboten, aber das ist dann in der Regel von der Bonität abhängig und kommt selten zum Tragen. Angeboten werden dann oft Kredit mit den üblichen Zinssätzen.

Antragsteller werden oft enttäuscht
Oft werden bei Kreditsuchenden Hoffnungen geweckt, doch die Realität sieht dann meistens anders auch – und die Hoffnungen lösen sich in Luft auf. Auch zur Umschuldung taugt der Kredit mit „Minuszinsen“ nicht. Viele Verbraucher, die relativ kleine Kreditsummen von 1.000 oder 2.000 Euro beantragen, wollen damit ihr Konto ausgleichen oder teure Altkredite ablösen. Das ist bei Kreditangeboten mit Minuszinsen nur zu verständlich.

Doch auch hier lauern weitere Probleme, denn wer schon ein Darlehen mit einem relativ unattraktivem Zinssatz laufen hat, der wird den Kredit mit Minuszinsen in der Regel kaum erhalten. Denn wer dieses Darlehen erhält, braucht im Grunde keine Umschuldung – denn entweder er hat bislang gar keine Finanzierungen, die er ablösen müsste – oder seine Darlehen sind dank guter Bonität ohnehin schon sehr günstig.

Meistens werden diese Ratenkredite auch nicht den Banken direkt angeboten, sondern von Vermittlern und Vergleichsportalen. Ein Blick ins Kleingedruckte zeigt, mit welchen Tricks gearbeitet wird. Die SollLzinsen liegen zum Beispiel mit vier oder fünf Prozent im „üblichen“ Bereich – von einem Minuszeichen vor den Zahlen ist nichts zu lesen. „Betrug“ sind die beworbenen Kredite mit Minuszins aber dennoch nicht, denn die Effektivzinsen liegen tatsächlich im negativen Bereich.

Wie wird das erreicht
Das ist simpel, Sie zahlen für jeden Kredit Geld an die Bank, um die effektiven Raten der Kunden zu reduzieren. Es wird dann als „Zinsbonus“ deklariert. Vergleichen kann man das mit Anbietern aus anderen Branchen, indem für getätigte Käufe etwas von der Marge des Verkäufers abgegeben wird – was dann dem Kunden zu Gute kommt. Es wird von den Anbieter also etwas zugeschossen, aus welchem Topf auch immer.

Daten sammeln
dieses ganze Vorgehen ist natürlich auch ein probates Mittel, Daten von potentiellen Kunden zu sammeln. Das Perfide daran: Gesammelt werden natürlich nicht nur die persönlichen Informationen von denen, die tatsächlich einen bezuschussten Kredit bekommen. Auch alle anderen Verbraucher müssen ihr Einkommen, die Höhe ihrer Miete, bestehende Verbindlichkeiten und vieles mehr angeben. Diese Daten werden dann ausgewertet, um alles mögliche zu verkaufen.

Niemand kann übrigens sagen, wie viele Kredit mit Minuszinsen nun wirklich vergeben werden. Das werden die Verbraucher auch nie erfahren! Tatsache ist: Das „Modell“ der Minuszinsen kann nicht funktionieren. Banken müssen von Kreditnehmern mehr Geld zurückbekommen als sie verleihen – bei der aktuellen Zinssituation gilt dies umso mehr!

Wer zahlt wirklich den Preis für Minuszinsen

Null-Prozent-Finanzierungen sind schon länger bekannt beim Kauf von Autos, Möbeln oder Elektrogeräten: Weniger als Null-Prozent-Zinsen geht doch nicht, dachte man bisher. Doch mit negativen Effektivzinsen ist ein Kredit nicht nur „kostenlos“, sondern er beinhaltet sogar einen Gewinn. Mag sein, wenn es dann funktionieren würde. Bezahlen kann man aber auch mit seinen seinen Daten und schlimmstenfalls mit seiner Bonität.

Wer einen Kredit beantragt, muss einiges von sich preisgeben: Einkommen, Miete, bestehende Verbindlichkeiten und vieles mehr. Das ist in gewissen Grenzen auch sinnvoll, damit die Bank sich ein Bild ihrer Geschäftspartner machen kann.

Mittlerweile wird auch ein Kontozugrfiff gefordert
Doch mit einer simplen Abfrage der wichtigsten Eckdaten geben sich die Portale bei den Krediten mit Minuszinsen scheinbar nicht zufrieden. Sie fordern stattdessen einen Zugriff aufs Konto – und wollen sich „live“ im Onlinebanking umschauen. Und der Verbraucher muss diese Praxis akzeptieren, sonst war es das mit einem Kredit.

Das Bankgeheimnis in Deutschland ist ein hohes Gut, ebenso die Hoheit über die persönlichen Daten. Doch von beidem muss man sich offensichtlich verabschieden, um zumindest den Hauch einer Chance auf Minuszinsen für seinen Kredit zu haben. Doch am Ende hat man keinen Kredit erhalten, anderen aber einen Live-Einblick auf sein persönliches Konto gewährt.

Das Schufa-Problem
Was viele Verbraucher oft gar nicht wissen, wenn sie einen Kredit beantragen: Auch ein schnell beantragter Kredit mit Minuszinsen landet in der Schufa – und kann zum Problem werden, wenn mal ein ernsthaftes Finanzierungsvorhaben ansteht.

Die Schufa-Abfrage gehört zum Standardprogramm bei jeder Kreditanfrage, keine Frage und dagegen ist auch nichts einzuwenden. Banken wollen vor einer möglichen Finanzierungszusage wissen, wie es um die Kreditwürdigkeit ihrer Kunden bestellt ist. Die Informationen der Schufa spielen dabei eine wichtige Rolle. Jedes aufgenommene Darlehen und jede Ratenzahlung werden hier vermerkt.

Diese Einträge können bei zukünftigen Kreditanträgen plötzlich zum Thema werden – und eine Bank, die eigentlich zur Kreditvergabe bereit wäre, schreckt möglicherweise vor einer Zusage zurück. Das muss nicht so sein, doch die Gefahr besteht. Für einen Kredit mit Minuszinsen können schon kleinste Negativmerkmale das „Aus“ bedeuten – und Negativmerkmalen bei der Schufa bekommt man dann bei den meisten Banken überhaupt keinen Kredit mehr.

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