Bundesbank verliert ihren Einfluss in der EZB

Staatsfinanzierung mit der Notenpresse
Mit der gestrigen Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) ist nunmehr offiziell das Ende einer Ära der unabhängigen Notenbank-Politik in Europa eingeläutet worden. Die Ankündigung von EZB-Präsident Mario Draghi, in Zukunft unlimitiert Staatsanleihen von Euro-Krisenländern aufzukaufen und damit den Euro um jeden Preis zu verteidigen, bedeutet für alle Anhänger einer auf Geldwertstabilität ausgerichteten unabhängigen Zentralbankpolitik den Eintritt des seit Monaten befürchteten Worst-Case-Szenarios. Die EZB steigt damit endgültig in die Staatsfinanzierung ein.

gal mit welchen abstrusen Erklärungen und Ausreden Herr Draghi diese einfache Tatsache auch rechtfertigen und erklären möchte, es ändert nichts an den Fakten. Die EZB wird ab jetzt Geld drucken und damit den klammen Staaten aus der Patsche helfen. Da private Gläubiger seit Monaten keine Bereitschaft mehr zeigen, die Staatsanleihen maroder Länder zu kaufen und die Politiker keinen Weg finden, das verlorene Vertrauen wieder herzustellen, wird jetzt die Notenpresse angeworfen. Die EZB wird Anleihen kaufen mit Euros, die sie gar nicht hat, sondern durch eine Buchung auf einer Seite ihrer Bilanz einfach von einem Tag auf den anderen schafft.

Damit schlägt jetzt auch die EZB den Weg ein, den vor ihr schon die US-Notenbank, die Notenbank von Japan und die Bank of England gegangen sind, um den Zusammenbruch ihrer kaputten volkswirtschaftlichen Geschäftsmodelle zu verhindern.

Gut 20 Jahre nach der Unterschrift unter den Vertrag von Maastricht, der eine europäische Notenbank nach dem erfolgreichen Vorbild der deutschen Bundesbank als Garant für die langfristige Stabilität der neuen gemeinsamen Währung schaffen sollte, ist damit die Demontage Deutschlands perfekt. Einzig Bundesbank-Präsident Jens Weidmann hat in der gestrigen Sitzung der EZB gegen das Ankaufsprogramm gestimmt.

Ein trauriges Ende für ein ehemaliges Erfolgsmodell. Die Mehrheiten sind längst anders verteilt, denn die ehemaligen Schwachwährungsländer haben das Ruder übernommen. Dass das so kommen wird, und dass Frau Merkel und Herr Schäuble dem nichts entgegenstellen werden, haben die deutschen EZB-Ratsmitglieder Weber und Stark schon vor mehr als einem Jahr erkannt und sind daher zurückgetreten. Auch Herrn Weidmann wird nach der gestrigen finalen Niederlage des deutschen Stabilitätsmodells kaum ein anderer Weg offenbleiben.

Möglicherweise wird aber der Euro-Phantast Schäuble den frei werdenden Posten selbst mit übernehmen müssen, denn es ist schwer vorstellbar, dass sich nach diesem Desaster noch irgendein eigenständig denkender Experte als Erfüllungsgehilfe von Herrn Draghi hergeben wird.

Sparer zahlen den Preis
War den deutschen Sparern und Steuerzahlern der Eintausch der D-Mark in Euro noch mit dem Argument einer nach dem Vorbild der Bundesbank aufgesetzten EZB verkauft worden, so ist spätestens jetzt der Betrug für jeden sichtbar geworden. Das Bundesbank-Modell ist Geschichte, ab jetzt gibt es eine Euro-Federal Reserve, die den Politikern das Leben leichter macht. Höhere Inflationsraten werden dabei bewusst in Kauf genommen.

Den Preis werden in den nächsten Jahren die Sparer in den früheren Hartwährungsländern zahlen, die den Gegenwert ihrer Ersparnisse schwinden sehen, während die Politik die Schuldner und damit vor allem sich selbst besser stellen wird. Deutschland wird damit ein zweites Mal für den Euro bezahlen. Schon kurz nach der Euro-Einführung haben harte Restrukturierungsmaßnahmen in Deutschland zu einer jahrelangen Stagnation der Realeinkommen und zu schwachem Wirtschaftswachstum geführt, während der Rest Europas einen Boom erlebt hat. Jetzt geht es an die Ersparnisse, um die Entschuldung zu ermöglichen. Während die führenden Politiker immer noch die Mähr erzählen, dass Deutschland der große Profiteur der Euroeinführung sei.

Die erste Reaktion der Märkte auf die Verkündung des Ankaufsprogramms war logisch: Käufe und damit fallende Renditen bei den Staatsanleihen der Krisenländer. Verkäufe und steigende Renditen für deutsche Bundesanleihen, die bisher ja künstlich niedrig waren. Steigende Aktienkurse, da ja das Systemrisiko kurzfristig verringert wird und damit auch die Konjunktur gestützt werden sollte. Der Trend bei den Zinsen wird vorerst auch so bleiben, da die Erwartung auf jeden Fall ist, dass Herr Draghi den Ankündigungen auch echte Taten folgen wird lassen. Die hohe Prämie, die Bundesanleihen als Hort der Zuflucht seit Monaten haben, sollte daher weiter abschmelzen. Steigende Renditen bei längeren Laufzeiten sind daher die logische Folge.

Baufinanzierungskunden sollten günstige Zinsen umgehend sichern
Wir empfehlen daher Baufinanzierungskunden, ihre Konditionen umgehend zu sichern. Gerade längere Laufzeiten sind zu empfehlen, da diese von steigenden Inflationserwartungen besonders betroffen sein werden. Die aktuellen Baugeldzinsen sind immer noch historisch tief und eine Absicherung auf diesen Niveaus ist daher sinnvoll. Auch Anschlussfinanzierer sollten jetzt die Gunst der Stunde noch nutzen.

Quellennachweis Foto: Pam Roth

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