Finanzlexikon W-X-Y-Z

Wagniskapital (risk capital, venture capital): Finanzmittel für (frisch errichtete) Firmen in neuen Märkten, wie derzeit vor allem auf dem Gebiet der Kommunikations- und Informationstechnologie, in der Automatisierungstechnik sowie in der Mikro- und Nano-Technologie, den sog. Higtech-Bereichen (the providing of equity or equity equivalents to start-ups and recently established firms). Zur Beschaffung des Kapitals für solche Unternehmen legten viele Banken besondere Fonds auf; daneben bieten (teilweise staatliche) Venture-Capital-Gesellschaften eine Beteiligungsfinanzierung an. Siehe Antiverwässerungsklausel, Business Angel, Drittphase-Finanzierung, Equity-Banking, Explorer-Werte, Hedge-Fonds, Inkubator, Penny-Stocks, Risikokapital, Seed Capital, Terror-Papiere, Zitterprämie. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Wechselkredit (credit on bills of exchange): Bei der Bank: allgemein die Einräumung eines Darlehns, das durch (Handels)Wechsel gesichert ist. Im Verkehr mit der Zentralbank: das Einreichen von diskontierten Wechseln seitens einer Bank gegen die Bereitstellung von Zentralbankgeld. In Deutschland waren Ende 1989 noch 2,6% der Kredite der Banken an inländische Nichtbanken (Unternehmen, Privathaushalte, öffentliche Stellen; absolut: 2 200,3 Mrd DEM) Wechseldiskontkredite (absolut: 57,9 Mrd DEM). Ende 1998 waren es nur noch knapp 0,6% (absolut: 34,9 Mrd DEM) der Darlehn an inländische Nichtbanken (absolut: 5 990,1 Mrd DEM). Mit anderen Worten: der Wechsel (bill of exchange) als Finanzierungsinstrument spielte beim Eintritt in die Europäische Währungsunion im Jahr 1999 so gut wie keine Rolle mehr.

Damit entfiel für eine Diskontpolitik der Zentralbank auch die Grundlage. Als Gründe für das Verschwinden des Wechsel werden vor allem genannt: Die herkömmlichen Wechselfinanzierer im gewerblichen Bereich waren Einzelhändler sowie Lagerbetriebe, die als Bindeglied zwischen Herstellern und Einzelhandel dienten (Grosshandel). Mit der Konzentration im Einzelhandel (vor allem: Lebensmittel, Bekleidung, Droguerie-Artikel, Baustoffe) verschwanden diese Betriebe weitgehend vom Markt bzw. sie wurden (teilselbständiges) Glied einer Kette (wie Rewe, Edeka); die Finanzierungsfunktion (oft in einem auch den gesamten Finanzverkehr) nahmen Fachabteilungen in den jeweiligen Zentralen in die Hand.

Der Wechsel ist nach § 1 Wechselgesetz (WG) ein Urkunde, also notwendig an Papier gebunden. Das macht ihn im Zeitalter des Internet-Banking unhandlich; das Ausstellen eines Wechsels gilt heute als viel zu umständlich und zeitraubend. Das deutsche Wechselgesetz (WG) zählt 98 Artikel, und die Rechtsprechung (judicature) zum Wechselrecht ist kaum übersehbar. Dies wirkt abschreckend. Bequemer zu handhabende und auf die besonderen Bedürfnisse der Vertragsparteien ausgerichtete Finanzierungswege haben sich herausgebildet. Siehe Akzept, Diskont, Diskontsatz, Geldsurrogate, Notenbankfähigkeit, Ortswechsel, Wechsel. Vgl. Monatsbericht der EZB vom Oktober 2007, S. 93 ff. (Vergleich der Regelungen für Sicherheiten bei der EZB mit USA und Japan; viele Übersichten). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Weiterverpfändung (rehypothecation, onward pledging): Die Verpfändung von als Pfand erhaltenen Papieren und anderen Wertgegenständen an einen Dritten. So kann eine Bank beispielsweise eine Hypothek an einen Fonds verpfänden, um sich bei diesem Geld zu leihen. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Wertpapier-Darlehn (securities lending and borrowing, SLB): Geborgte und ausgeliehene Titel mit Bardeckung werden bei einer Bank in Höhe der geleisteten bzw. erhaltenen Bardeckung in der Bilanz ausgewiesen. Erhält ein Institut im Rahmen einer SLB-Transaktion Wertpapiere als Sicherheit, die verkauft oder verpfändet werden können, dann finden sich die erhaltenen Wertpapiere und eine entsprechende Rückgabeverpflichtung in der Bilanz ausgewiesen. Siehe Reverse-Repurchase-Geschäft. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Wohnungsbaukredit (housing credit): Von Banken oder Bausparkassen gewährte Darlehn zum Zwecke des Erwerbs von (privatem) Wohneigentum. Die Kredite sind für das Eurogebiet im Teil „Statistik des Euro-Währungsgebiets“, Rubrik „Monetäre Entwicklungen, Banken und Investmentfonds“, Unterrubrik „Kredite an private Haushalte“ des jeweiligen Monatsberichts der EZB nach Höhe und Fristigkeit und im Zeitverlauf ausgewiesen. Siehe Bausparkassen, Beleihungswert, Bodenkreditinstitut, Erstraten-Verzugsklausel, Festzinsdarlehn, Immobilienpreis, Langfristkultur, Mortgage Equity Withdrawal, Sozialpfandbrief, Subprime Lending. Vgl. (zur statistischen Übereinstimmung) Monatsbericht der EZB vom April 2005, S. 74, Jahresbericht 2004 der EZB, S. 38 f., Monatsbericht der EZB vom März 2007, S. 46 ff. (Übersicht der Kredite seit 2003 nach Dauer und anfänglichen Zinsbindungsfrist), Monatsbericht der EZB vom August 2009, S. 83 ff. (Finanzierung des Wohnungsbaus im Eurogebiet; Eigentümlichkeiten der Wohnungsbaudarlehn im Euroraum; Übersichten).

Zahlungsmoral (payment moral): Das Verhalten eines Schuldners gegenüber einem Gläubiger. Dieses hängt ab von dessen objektiven Möglichkeiten, sprich: von seiner wirtschaftlichen Kraft; und weil diese in aller Regel selten vorhersehbar ist, verlangt der Gläubiger eine Sicherheit sowie von dem Willen des Schuldners, seinen Verpflichtungen nachzukommen. Weil aber dieser (trotz vieler, teilweise absonderlicher Vorschläge) kaum zu messen ist, bleibt bei jedem Darlehn ein Risiko; und letztlich zählt allein die Qualität der Sicherheit. Siehe Faustpfandkredit, Fraudulent, Geldeintreibung, Hard Claim, Immobilien-Sicherheiten, Inkassogeschäft, Kinderpfand, Kredithai, Kredit-Punktbewer­tungsverfahren, Kunde, fauler, Leichenpfand, Ziel.
Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Zentralbankkredit, öffentlicher (central bank credit to state borrowers): In der EU sind Kredite sowohl der EZB als auch der nationalen Zentralbanken an Organe der Europäischen Gemeinschaft oder an öffentliche Gebietskörperschaften nach Art. 123 AEUV untersagt. Siehe Aufkäufe, zentralbankliche, Bail-out, Defizit-Finanzierungsverbot, Kredit, öffentlicher. Vgl. Jahresbericht 2003 der EZB, S. 111. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Zentralkreditregister (central credit register): Bei der jeweiligen Aufsichtsbehörde bzw. Zentralbank gesammelte Informationen über Kreditausfälle, bankinterne Ratingstufen sowie über die Besicherung der Kredite. Bei einheitlicher Kreditnehmer-Nummern bietet sich die Vergleichsmöglichkeit des Ratings verschiedener Banken für ein und denselben Kreditnehmer (Benchmarking). Seit Juni 2005 werden auch die Kredite bei ausländischen Banken im Austausch zwischen den jeweiligen Behörden, zunächst im Eurogebiet, erfasst. Die Kreditgeber in den betreffenden Länder erhalten dadurch einen Überblick über die Gesamtverschuldung ihrer Firmenkunden. Fernziel ist eine vollständige Erfassung aller einem Schuldner gewährten Darlehn bei Banken weltweit. Siehe Grosskredite, Netzwerk Euro-Evidenz, Working Group of Credit Registers. Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2003, S. 70 f. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Zessionskredit (assignment credit): Allgemein Kredit einer Bank gegen vollrechtliche, endgültige Abtretung einer oder mehrerer Forderungen des Kreditnehmers. Der Ankauf von Geldforderungen, in der Regel von Firmen, die Güter mit Zahlungsziel an gewerbliche Kunden verkauft haben (Factoring). Die üblichen Factoring-Geschäfte beziehen sich auf kurzfristige Laufzeiten (bis zu 90 Tagen). Siehe Factoring. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Zins in alten Dokumenten meistens Interessen (nur in der Mehrzahl gebraucht), im Sprachgebrauch heute auch Zinsen (interest [rate]): Ein Prozentsatz (Vonhundertsatz, Quote), der von Leihkapital an den Darlehnsgeber zu entrichten ist, auch Zinssatz und Zinsfuss genannt. Eine Geldsumme, die sich als Zahlung aus einem Darlehnsvertrag herleitet. Zins (neben Geld das am häufigsten benutzte Wort in der Finanzsprache) vom lateinischen census in gleicher Bedeutung – Siehe Aufgeld, Stückzinsen, Verzinsung, Zinssatz. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Zinsallkokations-Funktion (interest allocation role): Den Anbietern von langfristigen Darlehn und Beteiligungen muss ein Anreiz geboten werden, der sie dazu bewegt, ihr Geld in die Verwendung mit dem höchsten Ertrag (zum „besten Wirt“; most favourable allocation of resources) zu geben. Dies geschieht in der Marktwirtschaft dadurch, dass die Nachfrager nach Kapital für rentablere Anlagen einen höheren Zins anbieten können, und sie damit die Nachfrage nach weniger rentablen Investitionen aus dem Felde schlagen. Siehe Geldabschaffung, Marktmechanismus, Niedrigzinspolitik, Nullzins, Preis, Preissetzungsmacht, Risikoignoranz, Schwundgeld, Tausch-Gutschein, Unfruchtbarkeits-Theorie, Wettbewerb, Zinsanreiz, Zinsdifferenzgeschäft. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Zinsänderungsrisiko (interest change risk, risk by changes in interest rates): Allgemein das Risiko, durch Bewegungen im Zinssatz einen Verlust zu erleiden. Bei Marktzinsänderungen sind festverzinsliche (fixed interest bearing) Wertpapiere einem Kursrisiko ausgesetzt. Steigt nämlich der Marktzins, so fällt der Kurs von Obligationen mit fester Nominalverzinsung. Siehe Duration, Kreditzusage, konditionsfixierende, Laufzeitenrisiko, Referenz-Zinssatz. Vgl. Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 41 (aufsichtsrechtliche Leitlinien), S. 128 (Zinsänderungsrisiko bei Bausparkassen), Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 116 f. (neue Risikomanagement- und Anzeigepflichten für Institute; aufsichtlicher Schwerpunkt auf Zinsschocks). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Zinsänderungsvorbehalt (variable interest clause): Vor allem bei langfristigen Sparplänen seitens einer Bank eingefügte Nebenbestimmung, wonach der vereinbarte Zinssatz für die geleisteten Einlagen verringert werden kann. Siehe Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 74. (bei langfristig angelegten Sparverträgen ist eine formularmässige Zinsänderungsklausel unwirksam). Siehe Zinsfixing-Tag. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Zinsaufschlag (yield spread): Allgemein die höhere Verzinsung von Anleihen, die solche Schuldner bieten müssen, deren Bonität vergleichsweise gering ist. In den Veröffentlichungen der EZB regelmässig der Renditevorsprung von auf EUR lautenden sieben- bis zehnjährigen Unternehmensanleihen der Ratingklasse BBB gegenüber Staatsanleihen aus Ländern des Eurogebiets mit entsprechender Laufzeit. Siehe Anleihe-Spread. Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom August 2009, S. 43 (Zinsaufschlag während der Finanzkrise). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Zinsberechnung (interest computation): Banken sind verpflichtet, deutliche Angaben darüber zu machen, zu welchem Zinssatz Guthaben verzinst und Darlehn vergeben werden. Dies gilt auch für Spareinlagen. Vgl. Jahresbericht 2005 der BaFin, S. 194 (Beschwerden). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Zinshöhe (interest rate to be applied): Wenn nicht anders definiert, die im Geschäftsverkehr der Banken mit dem Publikum (Privathaushalte, Unternehmen) in Rechnung gestellte Zinssatz. Dessen Höhe ist vor allem abhängig von der Bonität des Schuldners und der Laufzeit des Darlehns. In älteren Urkunden bezeugte Sätze von 40 bis 90 Prozent müssen stets auch auf dem Hintergrund des Risikos der seinerzeitigen Kreditgeber gesehen werden. Siehe Kredithai, Zinslast. Vgl. die laufende Zinsentwicklung in der Eurozone aufgegliedert nach Kreditarten im Anhang „Statistik des Euro-Währungsgebiets“, „Rubrik „Finanzmärkte“ des jeweiligen Monatsberichts der EZB sowie Monatsbericht der EZB vom August 2009, S. 101 ff. (Bestimmungsgründe der Zinsen der Banken im Kundengeschäft; viele Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom August 2010, S. 37 (Zinskonditionen deutscher Banken 2002-2010). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Zinsniveau (interest level): Die durchschnittliche Höhe der Zinssätze bei Leihgeschäften jeder Art, also aller Teilmärkte, innert eines Währungsraums. Die übliche Höhe des Marktzinses auf einem Teilgebiet des Finanzmarktes, etwa für Kontokorrentkredit. Vgl. Monatsbericht der EZB vom August 2009, S. 101 ff. (Bestimmungsgründe der Zinsen der Banken im Kundengeschäft; viele Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom August 2010, S. 37 (Zinskonditionen deutscher Banken 2002-2010). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Zinsrisiko (interest risk): Risiko, das aus Bewegungen des Marktzinssatzes erwächst, und das zu Schwankungen im Wert eines Finanzinstruments führt. Dabei kann man unterscheiden zwischen einem Cashflow-Risiko (cash-flow risk): der Zinsaufwand bzw. Zinsertrag verändert sich bei variabel verzinslichen (variable interest bearing) Titeln zum Nachteil des Besitzers und Barwert-Risiko (cash value risk) bei fest verzinslichen Finanzinstrumenten.

Bei Banken allfällige Verluste durch die Umwandlung kurzfristiger Depositen in langfristige Kredite oder in festverzinsliche langfristige Schuldtitel. Bei steigenden Kurzfristzinsen erhöhen sich so die Finanzierungskosten der Banken, während ihre Zinseinkünfte (sofern Festzinsen vereinbart wurden) unverändert bleiben. Bei einem Rollover-Kredit die Gefahr, dass durch steigende Zinsen im Zuge der jeweiligen Anpassungs-Termine das Darlehn ungewöhnlich teuer und ein damit finanziertes Vorhaben aus diesem Grund unter Umständen verlustreich wird. Siehe Absicherung, Aktiva-Passiva-Ausschuss, Cash Flow Hedge, Contingent Swap, Kredittermingeschäft, Kreditzusage, konditionsfixierende, Laufzeitprämie, Liquiditätsprämie, Zinsbindung, Zinsoption, Zinsswap. Vgl. Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 89. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Zins(satz) (interest rate): Allgemein der Preis für Leihkapital, unterteilt nach der Fristig­keit in einen Zinssatz für kurzfristige und einen Zinssatz für langfristige Ausleihungen. In der Höhe des Zinses drückt sich der Grad an Knappheit für Leihkapital aus. So entsteht ein Anreiz, Geld in die fruchtbarsten Investitionen zu lenken, wodurch der Wirtschafts­prozess nach Knappheiten und nach den Verbraucherwünschen gesteuert wird. Im besonderen auch der Preis für die Überlassung bestimmter Kapitalgüter, vor allem für Immobilien (Mietzins, Pachtzins).

In alten Schrifttum auch eine Abgabe (lateinisch: census), welche nach der Kopfzahl (Kopfzins) oder der Einschätzung des Vermögens auferlegt wurde; die Abgabepflichtigen müssen „zinsen.“ Siehe Agiotage, Danismus, Darlehn, Gilt, Investitionskredit, Kopfgeld, Langfristkultur, Minderschätzung künftiger Bedürfnisse, Negativzins, Referenz-Zinssatz, Schwundgeld, Stückzinsen, Übersatz, Unfruchtbarkeits-Theorie, Wettbewerb, Wucher, Zinser, Zinsgefüge, Zinsverbot. Vgl. zur langfristigen Zinsentwicklung im Euroraum Monatsbericht der EZB vom September 2003, S. 27 ff., Monatsbericht der EZB vom Mai 2004, S. 61 ff., Monatsbericht der EZB vom August 2004, S. 29 ff. – Die aktuellen Marktzinssätze finden sich im Anhang „Statistik des Euro-Währungsgebiets“, Rubrik „Finanzmärkte“ des jeweiligen Monatsberichts der EZB ausgewiesen. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Zinssatz, effektiver (effective interest): Allgemein die Einrechnung sämtlicher preisbestimmender Bestandteile, die aus dem regelmässigen Darlehn neben dem vereinbarten Zinssatz entstehen, wie Bearbeitungsgebühren, Auszahlungskurs, Modalitäten der Tilgung (Tilgungssatz, Tilgungsbeginn, Tilgungshöhe und Tilgungs- Verrechnungstermine) oder allfällige Versicherungskosten. Im engeren Sinne oft diejenige Verzinsung, die sich nach Berücksichtigung des Kaufpreises bzw. Kurswertes errechnet. Wendet man für ein mit 4 Prozent verzinsliches Wertpapier nur 80 GE auf, so ist die tatsächliche, effektive Verzinsung 4 GE auf 80 GE, mithin 5 GE auf 100 GE oder 5 Prozent. Siehe Referenz-Zinssatz, Stückzinsen, Zinsänderungsrisiko. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Zinssatz, niedrig gehaltener (linierest rate, kept low): Durch die Geldpolitik der Zentralbank nach unten manipulierter Zins in einem Währungsgebiet. Preise wirken als Knappheitssignale. Die einzelnen Wirtschaftssubjekte haben nicht das Wissen um die Milliarden von Angebots- und Nachfragefaktoren. Sie richten ihre Handlungen jedoch an den Preisen aus, die sich aus dem Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage ergeben. Einer der wichtigsten Preise weltweit ist der Zins als Preis des Geldes. Wenn dieser Preis künstlich niedrig gehalten wird, dann könnte dies die Aufnahme von Darlehn und Investitionen anregen. Aber es kann auch dazu kommen, dass die knappen Ressourcen fehlgeleitet werden, sprich: nicht zum „besten Wirt“ gelangen, nämlich zu demjenigen, der aus den Produktionsfaktoren den höchsten Ertrag (most favourable allocation of resources) erwirtschaftet.

Von der Zentralbank der USA wurde ab 1987 fast zwei Jahrzehnte lang der Zins durch Geldvermehrung künstlich niedrig gehalten. Es heute unbestritten, dass dies wesentlich zur Subprime-Krise und der sich anschliessenden weltweiten Finanzkrise geführt hat. Siehe Blase, spekulative, Carry Trades, Geld, billiges, Geldüberversorgung, Immobilienblase, Niedrigzinspolitik, Nullzins, Phillips-Theorem, Subprime-Krise, Tarnkappen-Politik, Wettbewerb, Zins, natürlicher, Zinsallokations-Funktion. Zinsdifferenzgeschäft, Zinssenkungs-Politik. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Zinsstruktur, inverse (inverse yield curve): Eine von der Regel abweichende Abstufung der Zinssätze, bei welcher die (kurzfristigen) Geldmarktzinsen höher sind als die (langfristigen) Kapitalmarktzinssätze. Grund dafür ist in der Regel eine vorübergehende Knappheit auf dem Geldmarkt. Sie kann aber auch durch Erwartungen hinsichtlich einer Abwertung entstehen. (Internationale) Anleger veranlassen solche Erwartungen zu einem Rückzug vom Kapitalmarkt des abwertungsverdächtigen Landes; das so erzeugte Überangebot drückt den Zinssatz nach unten. Siehe Markt, inverser. Vgl. Monatsbericht der EZB vom Dezember 2006, S. 34 ff. (negative Zinsstruktur als Signal für eine Rezession). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Zinsstundung (suspension of interest payments): Ein Aufschub für die Zahlung fälliger Zinsen. Ein solcher Hinausschub (Fristengewährung) wird allgemein wegen der damit auftretenden Gefahr des Moral Hazard sowohl für den Gläubiger als auch für den Schuldner als gefährlich angesehen. Bei der Subprime-Krise im Sommer 2007 waren Zinsstundungen (neben fahrlässiger Prüfung von Einkommen und Vermögen der Schuldner, Verzicht auf Anzahlung und Wartezeit bei der Amortisation) eine Hauptursache. Siehe Amortisation, negative, Aufschub-Frist, Ballon-Kredit, Beleihungswert, Erstraten-Verzugsklausel, Immobilienblase, Immobilienpreise, Ninja-Loans, Northern Rock-Debakel, Realkredit, Subprime-Wohnraumfinanzierung, Zinseinfriedung, Zitronenhandel, Zwei-Achtundvierzig-Kredit. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Zinsvergünstigungsdarlehn (interest subsidy loan): In der Regel im Rahmen der staatlichen Industriepolitik für Unternehmen oder im Zuge der Sozialpolitik für Privathaushalte zinsverbilligte Kredite. Den Unterschiedbetrag zu dem höheren Marktzins und dem vertraglich festgelegten Zinssatz zahlt eine öffentliche Kasse. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Zwischenfinanzierung (bridgeover finance): Die Gewährung eines Darlehns durch eine Bank bis zur Auszahlung des beantragten langfristigen Kredits, bis zur Einwerbung von Eigenkapital (etwa durch Emission von Aktien oder Aufnahme von Gesellschaftern) oder bis zu einer sicher zu erwartenden Zahlung (wie etwa durch eine Versicherung oder durch eine staatlich verbürgtes Exportgeschäft). Siehe Exportkredit-Garantie. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.


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