Finanzlexikon U

Überschuldung (overextension, liabilities exceeding the assets): Die Schulden einer Wirtschaftseinheit (Unternehmen, Privathaushalt, Staat) übersteigen das Vermögen. Siehe Deflation, schlechte, Insolvenz, Manifestierung, Überkonsum, Verschuldung. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Überziehung (overdraft): Bei einer Bank eine Auszahlung (overpayment), durch welche das Konto des betreffenden Kunden ins Debet gerät (an authorised bank account debit facility which is repayable according to the contractual agreement between the customer and the institute). Siehe Abstattungskredit, Barkredit, Dispositionskredit, Kontokorrentkredit, Kreditkarte, Vorlage. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Überziehungsentgelt (charge on overdrafts): Von den Banken in Rechnung gestellte Vergütung, wenn ein Kunde das vereinbarte Kreditlimit überschreitet. Weil der Kontoinhaber mit der Überziehung in eine niedrigere Bonitätsklasse fällt, wird ihm oft auch der Zinssatz für den Darlehnsvertrag gesamthaft erhöht, was häufig zu Beschwerden seitens des Kunden führt. Siehe Abschlussgebühr, All-in-Fee, Aufhebungsentgelt, Bankgebühren, Courtage, Deduktion, Dispositionskredit, Erbschaftsgebühr, Provision, Sonderzahlung, Vergütung, Vorfälligkeits-Entschädigung, Ziel. Vgl. zur Höhe der Überziehungsentgelte den Anhang „Statistik des Euro-Währungsgebiets“, Rubrik „Finanzmärkte“, Unterrubrik „Zinssätze für Kredite an private Haushalte“, Spalte „Überziehungskredit“ im jeweiligen Monatsbericht der EZB, Jahresbericht 2003 der BaFin, S. 65. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Umfrage zum Kreditgeschäft: Deutsche Bezeichnung für die Bank Lending Survey, die seit 2003 in der Regel im Januar im Euro-Währungsgebiet durchgeführt und deren Ergebnisse dann im Monatsbericht der EZB vom Februar jeweils kommentierend veröffentlicht werden. Vgl. Monatsbericht der EZB vom November 2008, S. 61 ff. (Verlässlichkeit von Umfrageergebnissen in turbulenten Zeiten; Übersichten). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Umschuldung (debt re-scheduling): Neufestsetzung der Bedingungen zur Bedienung der Verbindlichkeiten eines überschuldeten Unternehmens, einer öffentlichen Körperschaft oder eines Staates (the process of extending the repayment schedule, attached to one or all of the financing arrangements entered into, by a company or public sector entity. By comparison, restructuring [Sanierung] usually has a deeper impact, such as the total or partial write-off of some debt). Umschuldung geschieht vornehmlich durch die Gewährung längere Rückzahlungs-Fristen, manchmal auch durch niedrigere Zinssätze. – Siehe Konsolidation, Londoner Club, Londoner Schuldenkonferenz, Prager Verlautbarung, Schuldenrückführungsmechanismus, unabhängiger, Staatsschulden, verweigerte, Tilgung, Umschuldungs-Klauseln. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Universalbank (all-purpose bank, universal bank, multi-purpose bank, general bank): Ein Institut, das grundsätzlich sämtliche Finanzdienstleistungen anbietet. In der Diskussion um die Ursachen der Subprime-Krise 2007 und der ihr folgenden Finanzkrise wurde von vielen Fachleuten empfohlen, Universalbanken gesetzlich zu verbieten und allgemein, weltweit das Trennbanksystem einzuführen. Dadurch soll verhindert werden, dass die Einlagen der Kunden für gewagte Geschäfte aufs Spiel gesetzt werden. Siehe Glass-Steagall-Gesetz, Investmentbank, Trennbanksystem. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Unterlegung (underlying): Allgemein Sicherheiten für eine ungedeckte Schuld beibringen; einen Kredit besichern. Im besonderen die aufsichtsrechtlich verfügte Abdeckung bank- und versicherungsgeschäftlicher Risiken jedwelcher Art durch Eigenkapital, wie bereits im einzelnen genau vorgeschrieben und überwacht hohe Quote von Eigenkapital bei kreditfinanzierten Engagements; auf diese Weise können riskante Geschäfte eingedämmt werden, die zu einem Runup auf den Märkten für Vermögenswerte führen und spekulative Blasen begründen (Leaning against the wind).


Bei der EZB marktfähige Sicherheit, die bestimmte, für den Euro-Währungsraum gesamthaft einheitliche, von der EZB festgelegte Zulassungs-Merkmale erfüllt. Siehe Ausfallrate, erwartete, Ausserbilanzgeschäft, Barmarge, Cleaning up after, Immobilienblase, Internen Ratings Basierender Ansatz, Kreditlinie, Leaning against the wind, Margendeckung, Notenbankfähigkeit, Option, Risikoprofil, Risikopuffer, Rückschlag-Effekt, Schwankungsmarge, Sicherheitsmarge, Tertiarisierung, Terminspekulant, Underlying, XXX-Insurance-Linked Securities. Vgl. Jahresbericht 2003 der EZB, S. 86 ff., Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 100 f., Monatsbericht der EZB vom Oktober 2007, S. 93 ff. (Vergleich der Regelungen für Sicherheiten bei der EZB mit USA und Japan; viele Übersichten). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Unternehmenskredite (lendings to companies): Von Banken eines Landes an Unternehmen gewährte Darlehn. Diese werden an die Zentralbanken gemeldet und von der EZB im Rahmen des Zwei-Säulen-Prinzips beobachtet. Der Anteil der Kredite an Firmen in Prozent des Bruttoinlandproduktes. Diese Rate betrug 2004 für Grossbritannien 70 Prozent, für Deutschland und Japan 56 Prozent, für die Schweiz 46 Prozent und für die USA 34 Prozent. Siehe Rate der Kreditkunden, Unternehmensanleihen. Vgl. Daten im Anhang „Statistik des Euro-Währungsgebiets“, Rubrik „Finanzkonten und nichtfinanzielle Konten“ und zu den Zinssätzen die Rubrik „Finanzmärkte“ im jeweiligen Monatsbericht der EZB, Monatsbericht der EZB vom Januar 2007, S. 20 ff. (Analyse der Angebots- und Nachfrageseite mit Übersichten). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

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