Finanzlexikon S

Saisonkredit (seasonal loan): Darlehn zur Befriedigung des Finanzbedarfes in bestimmten Monaten eines nur zeitenweise voll ausgelasteten Unternehmens, etwa an lediglich in der Sommerzeit ausgebuchte Hotels, die in der Winterzeit Räume instand setzen und Umbauten für die kommende Reisezeit tätigen müssen. Siehe Ernte-Unterstützungskredit. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Scheckeinzugsverfahren, imagegestütztes, ISE (image-based cheque collection system): Im September 2007 in Deutschland von den Verbänden der Kreditwirtschaft zusammen mit der Deutschen Bundesbank eingeführter Weg, um papierene Schecks ab einem Betrag von 6 000 EUR durch die Übermittlung elektronischer Abbilder (Images) zu verrechnen. Weil arbeitstäglich in Deutschland um die 30 000 Schecks über 6 000 EUR abgewickelt werden, so bringt das imagegestützte Einzugsverfahren wesentliche Vorteile (vor allem: Wegfall der Bearbeitung von Formularen und des Schecktransports). Für Schecks unter 6 000 Euro galt bereits die beleglose Abwicklung. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Scheckverfügungssperre (cheque access block): Kunden können über einen bei der Bank eingerechten Scheck in der Regel erst nach Ablauf einer gewissen Frist verfügen. Im Inland sind dies meistens zehn Bankarbeitstage und bei Schecks, die auf ein ausländisches Institut eingereicht werden, bis zu einem Monat. Auf Verbraucherbeschwerden hin erklärte die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht dies für angemessen. Vgl. Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 219 (Begründung der Verfügungssperre). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Schlüsselzinssätze der EZB (key ECB interest rates): Der jeweilige Zinssatz für die Einlage-Fazilität, Hauptrefinanzierungs-Geschäfte und die Spitzenrefinanzierungs-Fazilität im Verkehr mit der EZB. Diese Sätze werden von der EZB auf ihrer Homepage veröffentlicht und finden sich (für die letzten Jahre) ausgewiesen im Anhang „Statistik des Euro-Währungsgebiets“, Rubrik „Monetäre Statistik“, Unterrubrik „Schlüsselzinssätze der EZB“ des jeweiligen Monatsberichts der EZB. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Schuldbuchforderung (debt register claim): Eine öffentliche Anleihe wird nicht verbrieft, sondern der Gläubiger in ein Schuldbuch eingetragen. In Deutschland unterliegen die Schuldbücher dem gesetzlich verankerten Schuldbuchgeheimnis, das in der Praxis dem Bankgeheimnis entspricht. Das in ein Schuldbuch des Bundes oder eines Landes eingetragene Forderungsrecht nennt man auch Wertrecht. Für die Verwahrung und Verwaltung der Schuldbuchforderungen gelten in Deutschland die Bestimmungen des Depotgesetzes. Siehe Bundesrepublik Deutschland Finanzagentur, Fiscal Agent. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Schulden (debt, liabilities): Bei einem Privathaushalt die Summe der Forderungen der Kreditgeber. In Bezug auf eine Firma das in dem Unternehmen arbeitende Fremdkapital (the borrowings of any kind that the business may have arranged). Die Forderungen kreditgebender Gläubiger an den Staat (Staatsschulden). Siehe Darlehn, Finanzpolitik, Kredit, Nettogläubiger, Verlusttarnung, Verschuldungsquote, öffentliche, Vertrauensverlust, Verbindlichkeiten. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Schulden, notleidende (distressed debt): Bei einer Bank ausfallgefährdete oder bereits als uneinbringlich festgestellte Darlehn. – Siehe Arrangement, Ausfallrate, erwartete, Ausfall-Verlust, Ausfallwahrscheinlichkeit, Debt-Equity-Swap, Reintermediation, Entfernung zur Zahlungsunfähigkeit, Kalibrierung, Kredit, notleidender, Kreditverlust, Staatsschulden, verweigerte, Trennschärfe, Validierung, Verlustquote. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Schuldenbremse (debt brake, debt limit): Allgemein die Deckelung (cap) der Neuverschuldung (des Staates). Die Verbindung der Einnahmen mit den Ausgaben des Staates derart, dass die Höhe der Einnahmen (ergänzt um einen konjunkturabhängigen Prozentsatz) die höchst zulässigen Ausgaben bestimmt; manchmal auch Ausgabenplafonds (expenditure upper limit) genannt. In Deutschland im Juni 2009 vorgenommene Änderung des Grundgesetzes, wonach der Bund von 2016 an seine Neuverschuldung auf höchstens 0,35 Prozent des Bruttoinlandsproduktes beschränkt und die Länder von 2020 an in wirtschaftlich normalen Zeiten gar keine neuen Kredite aufnehmen dürfen.

Siehe Exit-Strategie, Finanzreferendum, Finanzmarktstabilisierungsanstalt, Kreditsperre, Niedrigzinspolitik, Stabilitäts- und Wachstumspakt, Tilgungsfonds, Verfassungsartikel eins. Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Oktober 2010, S. 88 f. (Kritisches zur Schuldenbremse in Deutschland). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Schuldendeckungsquote (debt service coverage ratio, DSCR): Wenn nicht ausdrücklich anders definiert, so versteht man darunter das Verhältnis von Cashflow zum Schuldendienst eines Unternehmens und damit eine Kennzahl für die Fähigkeit, den Schuldendienst zu bedienen. Eine Quote von 1,3 bedeutet, dass der Cashflow in einem Zeitraum um 30 Prozent höher ist als die im gleichen Zeitraum anfallenden Belastungen für die Zinsen und Abzahlungen aus aufgenommenen Darlehn. Siehe Asset Backed Securities, Schuldenmanagement Verbriefung. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Schuldendienst (debt service, debt servicing): Wenn nicht anders definiert, die laufenden Zahlungen für Verzinsung und Tilgung eines auf Kredit erworbenen Vermögensgegenstandes. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Schuldendienst-Deckungsquote (debt service coverage margin): Besonders bei Immobilien gebräuchliche Kennzahl, die Netto-Einkünfte aus einer Liegenschaft mit den anfallenden Kosten des Schuldendienstes in Beziehung setzt. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Schuldendienstquote (debt service quota): Beim Staat der Schuldendienst im Verhältnis zu den Ausgaben. Die Quote gibt an, wie der Ausgabenspielraum durch die Kreditaufnahme früherer Perioden bereits eingeengt ist. Siehe Nettogläubiger, Schuldenquote, staatliche. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Schuldenmanagement (debt management): Durch den Einsatz geeigneter Finanzierungsinstrumente und Laufzeiten eine ausgewogene Gläubigerstruktur zu erreichen. Siehe Arrangierung, Bankregel, goldene, Fälligkeitsgliederung. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Schuldenstand (debt level general government): In Zusammenhang mit dem Stabilitäts- und Wachstumspakt der Brutto-Gesamtschuldenstand zum Nominalwert am Jahresende nach saldierender Umrechnung innert und zwischen den einzelnen bereichen des Staatssektors. Siehe Nettogläubiger, Schuld, schwebende, Schuldenquote, staatliche. Vgl. zur Höhe der Schulden den Anhang „Statistik des Euro-Währungsgebiets“, Rubrik „Öffentliche Finanzen“ im jeweiligen Monatsbericht der EZB. Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Mai 2009, S. 25 (Eventualverbindlichkeiten müssten bei Staatsverschuldung eingerechnet werden). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Schuldtitel (debt instrument): Allgemein ein Dokument, das ein Darlehn oder eine vertragliche Verpflichtung ausweist. Schuldverschreibungen im Sinne von § 793 BGB, wie bei Warenkrediten, Bankdepositen, Wechselschulden, Obligationen, usw. üblich. Rechtlich verbindliche Schuldscheine im Sinne von § 371 BGB, die ausgestellt werden, wenn jemand Geld entleiht. Jederart durch einen Vermögenswert besichertes Wertpapier, einschliesslich der Verbriefungspapiere. Schuldverschreibung. Siehe Papiere, Titel. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Schuldtitel, festverzinslicher (fixed-rate instrument): Finanzinstrument, bei dem der Zinssatz für die gesamte Laufzeit des Vertrags festgelegt ist. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Scoring (so auch im Deutschen gesagt, seltener Kreditwürdigkeitsprüfung): Wenn nicht anders definiert, so meint man damit das Kredit-Punktbewertungsverfahren, welches Banken zur Beurteilung der Kreditwürdigkeit (Bonität) und damit zur Berechnung des Kreditausfall-Risikos von Privathaushalten und Antragstellern für ein Darlehn aus dem Kreis der Kleingewerbetreibenden anwenden. Im Jargon wird ein Nachfrager nach einem Darlehn „gescort“. Im Marketing der Banken auch von der zielgenauen Werbung (one-to-one marketing) bei allfälligen Kunden von Finanzdienstleistungen aller Art gesagt.

Bei Call-Centres (zentrale Stelle, bei der Telephongespräche angenommen und verarbeitet werden) der Institute entscheidet häufig der Computer anhand der Ergebnisse des Scoring, welcher Anrufer (in der Regel der Umsatzstärkste: die Telephonstimme fragt daher in der Regel vorab nach der Kontonummer) in der Warteschlange (caller placed on hold) als nächstes bedient wird. Siehe Bankkunden-Profil, Cold Calling, Customasing, Fact Sheet, Internet-Angebote, Mail Shot, Product Placement. Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2009, S. 65 (Scoringsysteme im Sinne von). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Second-Lien-Kredit (second-lien credit): Die nachrangige Kreditgewährung zu bereits bestehenden Darlehen, besonders von CLO-Fonds im Zuge von Leveraged Buy-outs eingesetzt. Siehe Payment-in-Kind-Kredit, Toogle-Schuldtitel. Vgl. Monatsbericht der EZB vom Dezember 2006, S. 46 f. (Bedenken gegen diese Art der Finanzierung wegen der sehr hohen Risiken mit Rückwirkung auf die allgemeine Wirtschaftslage). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Sicherheit ([collateral] security): Allgemein ein Vermögensgegenstand, der dazu geeignet ist, das mit einem Darlehn verbundene Risiko zu mindern (the characteristic of an asset assigned/pledged by a borrower to a lender as a form of credit enhancement designed to reduce the risk attached to lending it some money). Im besonderen auch die Hinterlegung von Geld oder Wertpapieren, die Verpfändung von Forderungen und beweglicher Sachen oder die Bestellung von Hypotheken zur vorläufigen Durchsetzung von Rechten (z. B. Zwangsvollstreckung) oder zur Abwehr von Gegenrechten (z. B. des Zurückbehaltungsrechts). Nach § 234 BGB kann mit Wertpapieren Sicherheit nur in Höhe von drei Vierteln des Kurswertes geleistet werden.

Im Rahmen der Beurteilung von Wertpapieren die Tatsache, dass der Veräusserungswert eines Finanzinstruments in der jeweiligen Währung im voraus genau bekannt ist. In Bezug auf Leveraged Buy-outs die Fähigkeit des Zielunternehmens, durch Erfolg am Absatzmarkt soviel an Cashflow zu erreichen, dass die eingegangenen Zahlungsverpflichtungen gegenüber dem Finanzinvestor erfüllt werden können. Siehe Sicherheiten, Sicherheitseinbehalt, Sicherungsgeld. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Sicherheiten (collateral[s]): In der Bankpraxis: anerkannte Unterlegung für gewährte Kredite (an asset or third-party commitment that is accepted by the collateral taker to secure an obligation of the collateral provider vis-à-vis the collateral taker): in diesem Sinne grob gesprochen die Mehrzahlform von Sicherheit. Vermögenswerte, die Kreditinstitute zur Besicherung von kurzfristigen Liquiditätskrediten der Zentralbank als Pfand bei dieser hinterlegen sowie Vermögenswerte, welche die EZB von Kreditinstituten im Zuge liquiditätszuführenden Pensionsgeschäften ankauft. Mit Jahresbeginn 2007 wurde bei der EZB ein einheitliches Sicherheiten-Register eingeführt, das die bis dahin aus der Kategorie-1-Sicherheiten und Kategorie-2-Sicherheiten bestehenden beiden Kategorien ersetzte.


Zur Beurteilung der Bonität der bei der EZB eingereichten Sicherheiten legt diese im Regelfall ein eigenes Verfahren zugrunde, das Rahmenwerk für die Bonitätsbeurteilungen im Eurosystem. Siehe Beleihbarkeit, Blankokredit, Covenant, Covered Bonds, Finanzsicherheiten, Immobilien-Sicherheiten, IRB-Ansatz, Kategorie-1-Sicherheit, Notenbankfähigkeit, Rating, Repomarkt, Sicherheit, Sicherheiten, marktfähige, Sicherheitsverzeichnis, einheitliches. Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2001, S. 22 (Aufzählung der Sicherheiten nach Basel-II), Monatsbericht der EZB vom April 2001, S. 55 ff. (Übersicht S. 60, Darstellung der Politik auch anderer Zentralbanken S. 68 f.), Monatsbericht der EZB vom Mai 2004, S. 81 f. (Ausschluss-Bestimmung: S. 82), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2004, S. 40 f. (EU-Richtlinie über Finanzsicherheiten), Monatsbericht der EZB vom Februar 2006, S. 92 (Gebrauch staatlicher Schuldtitel zur Besicherung von Kreditgeschäften bei der EZB), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2006, S. 31 ff.

(Schaffung eines einheitlichen Verzeichnisses für zentralbankfähige Sicherheiten im Euroraum), S. 36: Zulassungskriterien (Übersicht), S. 39: Bonitätsklassen (Übersicht), sowie S. 81 ff., lehrbuchmässige Darstellung), Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 39 (neuere aufsichtsrechtliche Entwicklung in Bezug auf Versicherungen), Monatsbericht der EZB vom Oktober 2007, S. 93 ff. (Vergleich der Regelungen für Sicherheiten bei der EZB mit USA und Japan; viele Übersichten), Jahresbericht 2008 der EZB, S. 117 f., S. 121 ff. (Ausweitung des Verzeichnisses notenbankfähiger Sicherheiten während der Finanzkrise; Übersichten), Jahresbericht 2009 der EZB, S. 113 f. (Ankauf gedeckter Schuldverschreibungen durch die EZB). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Sicherheitenmarge (initial margin; security margin): Bei der EZB Risikokontrollmassnahme bei befristeten Transaktionen, wobei der Geschäftspartner Sicherheiten zur Verfügung stellen muss, deren Wert dem des gewährten Kredits zuzüglich des Wertes der Sicherheiten entspricht. Die EZB staffelt die Sicherheitenmargen nach der Dauer der mit einer Transaktion verbundenen Kreditgewährung an den Geschäftspartner. Siehe Nachschuss-Vereinbarung, Schwankungsmarge. Vgl. Monatsbericht der EZB vom April 2001, S. 58, Monatsbericht der EZB vom Mai 2004, S. 81, Monatsbericht der EZB vom Oktober 2007, S. 93 ff. (Vergleich der Regelungen für Sicherheiten bei der EZB mit USA und Japan; viele Übersichten). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Sicherheitsabschlag (haircut): Im Bankgeschäft bei Darlehn die Einrechnung möglicher Wertverluste der zur Besicherung angedienten Vermögenswerte (etwa: Wertpapiere, Lebensversicherungspolicen). Bei der Zentralbank der von ihr vorgegebene Bewertungsabschlag. Im Rahmen des Quantitative Easing senkte die EZB die Schwelle der Wertpapiere, die als Pfand gegen Liquidität angenommen wurden; der Sicherheitsabschlag wurde aber teilweise erhöht. Dagegen verschärfte die EZB die Anforderungen für Asset Backed Securities. Siehe Sicherheit, Sicherheiten. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Sicherungseinbehalt (contract holdback): Beim Factoring üblicher Abzug (in der Regel ein Fünftel) bei der Auszahlung der gekauften Forderungen. Der Betrag dient dazu, allfällige Schwierigkeiten jeder Art in Zusammenhang mit der Forderung auszugleichen. Ist die Forderung voll beglichen (hat also der Schuldner ohne weiteres bezahlt), dann wird der Sicherungseinbehalt von dem Factoring-Unternehmen an den Factoringkunden überwiesen. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Solvenzrisiko (solvency risk): Verlustrisiko aufgrund der Zahlungsunfähigkeit (Insolvenz) des Emittenten eines Finanzinstruments oder aufgrund der Insolvenz des Geschäftspartners. Siehe Adressen-Risiko, Crash, Emerging Markets, Intercreditor Agreement, Liquiditätsrisiko, Londoner Verfahren, Manifestierung, Risiko, Risikomanagement. Vgl. Jahresbericht 2002 der BaFin, S. 82 ff. sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Staatsbank (state bank): Jedes Institut im ausschliesslichen oder mehrheitlichen Besitz der öffentlichen Hand, wobei die Zentralbank nicht mitgezählt wird. Siehe Förderbank, Landesbank, Siedlungskredit, Sparkasse, Staat. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Stand-by-Kredit (standby credit): Wenn nicht anders definiert, ein Überbrückungs- oder Bereitschaftskredit an ein Land (eine Zentralbank) bei Zahlungsbilanzschwierigkeiten. Solche Kredite gewährt statutengemäss der Internationale Währungsfonds. Siehe Bail-out, Defizit-Finanzierungsverbot. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Subprime-Kredite (subprime credits): Wenn nicht anders definiert, die Vergabe von Wohnimmobilienkredite an einkommensschwache Privathaushalte in den USA (the award of residential real-estate loans to low-income private persons in the United States). Wesentlich ausgelöst wurden solche Darlehn durch die (sich an die Home Mortgage Disclosure Act von 1975 anschliessende) Community Investment Act aus dem Jahr 1999. In diesem Gesetz wurden die Erfordernisse an die Bonität für private Immobilienkredite so weit herabgesetzt, dass auch Darlehn an Privathaushalte mit geringer Kreditwürdigkeit vergeben werden konnten.

Bereits 2001 umfasste so dieser Geschäftszweig schon 2,6 Prozent aller ausstehenden Wohnungsbaukredite in den USA; er erhöhte sich aber bis 2007 auf 14 Prozent. In absoluten Zahlen vergaben Banken in den USA in den Jahren 2005 und 2006 über 3 000 Mrd USD an schlecht besicherten Immobiliendarlehn. Diese letztlich uneinbringlichen Ausleihungen landeten zu einem Gutteil als Verbriefungspapiere in den Bilanzen von Instituten in der ganzen Welt. Dies führte zur Subprime-Krise im Jahr 2007, aus der sich eine weltweite Finanzkrise entwickelte. Der Internationale Währungsfonds schätze im Frühjahr 2009 den weltweiten Schaden aus den Subprime-Krediten auf zwei Billionen USD (eine Eins mit zwölf Nullen!) Siehe Ballon-Kredit, Darlehnhaftung, beschränkte, Home Mortgage Disclosure Act, Jingle Mail, Kreditvergabe-Grundregel, Kreditkartenfiasko, Lemons-Problem, Luftpapiere, Papiere, toxische, Pay-Green-Initiative, Subprime Lending, Zitronenhandel, Zwei-Achtundzwanzig-Kredit. Vgl. Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 15 f. (Darstellung der Zusammenhänge). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Subprime-Krise (sub-prime crisis): Im Sommer 2007 kam es in den USA zu steigenden Kreditausfallraten auf dem Markt für zweitklassige Hypothekarkredite, den sog. Subprime-Krediten. Weil diese Darlehn verbrieft waren und sich im Portfolio fast aller Institute weltweit befanden, so kam es angesichts des plötzlichen Wertzerfalls dieser Papiere zu einer starken Inanspruchnahme von Kreditlinien (Ziehung von Fazilitäten) seitens der Zweckgesellschaften und anderer Institute mit unerwartetem Abschreibungsbedarf (Unterseeboot-Effekt).

Das überstieg das Liquiditätsmanagement der meisten Banken; einige Institute kamen ins Trudeln. Gleichzeitig sank angesichts dieser Lage die Bereitschaft, Geld ohne Besicherung für eine Woche oder länger zu verleihen; der Interbanken-Geldmarkt trocknete fast völlig aus. Infolgedessen kam es zu erheblichen Abweichungen zwischen besicherter und unbesicherter Kreditaufnahme; die Spreizung zwischen beiden Arten bei dreimonatiger Laufzeit stieg in der Spitze auf 70 Basispunkte. Die Zentralbanken mussten zur Beruhigung des Finanzmarktes eingreifen (bei der EZB über Feinsteuerungs-Operationen und längerfristige Refinanzierungsgeschäfte; letztere, um auch Verspannungen auf den Märkten für längere Laufzeiten zu begegnen) und reichlich Liquidität bereitstellen. Das half allerdings zunächst kaum, das Vertrauen in die Finanzmärkte wieder herzustellen.

Innert eines Jahres weitete sich die Subprime-Krise zu einer weltweiten Finanzkrise aus. Mehrere angesehene Institute in den USA und Europa mussten vom Staat gestützt werden oder wurden gar, um einen Zusammenbruch des Finanzsystems zu vermeiden, ganz in staatliche Hand überführt. Erst das Eingreifen der Regierungen im Oktober 2008 konnte das verloren gegangene Vertrauen nach und nach wieder zurückgewinnen. Siehe Aktivitäts-Verlagerung, bilanzbestimmte, Anreizsystem, Asset Backed Securities, Ausfall-Verlust, Ausserbilanzgeschäft, Back-to-Originator-Postulat, Banken-Triage, Bradford-Verstaatlichung, Conduit-Gesellschaft, Darlehnhaftung, beschränkte, Darlehn, nicht standardisiertes, Darlehn-gegen-Papiere-Geschäft, Entkopplungs-These, Erstraten-Verzugsklausel, Erstverlust-Tranche, Finanz-Alchemie, Finanzkrise, Fortis-Rettung, Friedhof-Markt, Garantiefonds, Hypo Real Estate-Rettung, Immobilien-Zusatzbeleihung, IndyMac-Pleite, Informationsverteilung, asymmetrische, Kreditderivate, Kreditereignis, Kreditersatzgeschäft, Kreditrisiko, Krise der Sicherheiten, Liquiditätspool, Luftpapiere, Mortgage Equity Withdrawal, Ninja-Loans, Northern Rock-Debakel, Notfall-Liquiditätshilfe, Originate-to-distribute-Strategie, Panik-Verkäufe, Rendite-Risiko-Grundsatz, Quantitative Easing, Risikowahrnehmung, Rückschlag-Effekt, Staatsfonds, Stimmrecht-Kriterium, Structured Investment Vehicle, Subprime-Wohnraumfinanzierung, Unkosten, Unterseeboot-Effekt, Verbriefung, traditionelle, Verbriefungsstruktur, Vertrauen, Zitronenhandel, Zweckgesellschaft, Zwei-Achtundzwanzig-Kredit.

Vgl. Monatsbericht der EZB vom September 2007, S. 33 ff. (krisenabwehrende Offenmarktgeschäfte der EZB), Monatsbericht der EZB vom November 2007, S. 18 ff. (Auswirkungen der Subprime-Krise; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Dezember 2007, S. 32 ff. (Liquiditätssteuerung durch die Mindestreservepolitik während der Subprime-Krise), S. 45 ff. (Umfrage zum Kreditgeschäft in Zusammenhang der Subprime-Krise; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Januar 2008, S. 16 ff. (Liquiditätshilfen der EZB), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Februar 2008, S. 32 (Auswirkungen der Subprime-Krise auf die Kreditvergabe deutscher Banken; Übersicht), Jahresbericht 2007 der EZB, S. 106 ff.

(Liquiditäts-Bereitstellung während der Subprime-Krise), Monatsbericht der EZB vom Mai 2008, S. 99 ff. (Überblick der Massnahmen der EZB während der Subprime-Krise; Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Mai 2008, S. 26 (Handhabung der Mindestreservepolitik durch die EZB zur Normalisierung des durch die Subprime-Krise verworfenen Geldmarktes), S. 34 f. (keine Bremswirkungen der Ausleihungen an Unternehmen durch die Subprime-Krise), Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 22 ff. (chronologische Übersicht der Ereignisse), S. 123 ff. (einzelne Institute unterschiedlich betroffen), Monatsbericht der EZB vom August 2008, S. 73 ff. (Auswirkungen der Subprime-Krise auf die grenzüberschreitenden Finanzströme im Euroraum; Übersichten; S. 75: Direktinvestitionen kaum betroffen), Monatsbericht der EZB vom August 2009, S. 37 ff. (Auswirkungen des ersten längerfristigen Refinanzierungsgeschäftes mit einjähriger Laufzeit), Monatsbericht der EZB vom September 2010, S. 12 ff. (Immobilienmarkt in den USA seit 2002; Übersichten; skeptische Gesamtbeurteilung). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Subprime-Krise, Ursache (cause of sub-prime crisis): Die Subprime-Krise wird als das Zusammenspiel mehrerer Gründe angesehen, vor allem die Ausbreitung zahlreicher, häufig sehr vielschichtiger Finanzinstrumente wie Residential Mortgage Backed Securities, Credit Default Swaps und Collateralised Debt Obligations; die weltweite Verbreitung der Originate-to-distribute-Strategie; der Markteintritt neuer und oftmals kaum oder garnicht der Aufsicht unterworfenen Unternehmen wie Hedge-Fonds (gar als Offshore Funds) und Zweckgesellschaften; der starke Bedeutungsgewinn des Investment Banking; die durch das global betriebene (und nicht nur auf Banken beschränkte) Verbriefungsgeschäft verstärkte und gleichzeitig weltweit ausgebreitete asymmetrische Information, was zur Unkenntnis über die tatsächliche Verteilung der Risiken führte; zwischen dem Originator und dem (End)Anleger wurde die Kette teilweise immer länger; das ungenügende Risikomanagement bei vielen Instituten; in häufigen Fällen hatte das Risikomanagement mit den Finanzinnovationen nicht Schritt gehalten; die Gewährung von Subprime-Krediten im Zuge der „Community Investment Act“ aus dem Jahr 1999 in den USA, was zu einem bedeutenden

Anstieg von Darlehn an bonitätsschwache Privathaushalte führte und gleichsam der unmittelbare Auslöser der Krise war; die Zahlung eines Bonus an Banker auch dann, wenn das entsprechende Engagement längerfristig (at medium and long term) zum Verlust führt. – Die Bonus-Systeme waren allgemein nur auf den kurzfristigen Erfolg ausgerichtet. Für einen Banker war es daher völlig rational, höchste Risiken einzugehen, um hohe Renditen zu erzielen und entsprechende Boni zu erhalten. Im Falle des Misserfolgs fiel der Banker lediglich auf sein Grundgehalt zurück. Dies gilt als Musterbeispiel dafür, wie eine Haftungs-Beschränkung zur unverantwortlichem Geschäftsgebaren führt sowie sowie last not least die zwanzigjährige Niedrigzinspolitik der Zentralbank in den USA: immer wenn ein wirtschaftlicher Abschwung drohte (nach dem Börsenkrach 1987, in der Asien-Krise 1997/98, nach dem Platzen der Dotcom-Blase und nach den islamistischen Terror-Anschlägen vom 1. September 2001), so begegnete die Zentralbank dies mit einer Senkung des Leitzinses.


Die meisten der genannten und anderer Ursachen sind mit einander verwoben (interrelated) und stehen in teilweise im einzelnen kaum abzuschätzender Wechselbeziehung. Eine andere Ursachen-Erklärung geht von der Haltung der Anbieter und Nachfrager auf dem Markt aus. Genannt werden dann sieben Todsünden (mortal sins), in die Banker und auch ihre Kunden verfallen seien: Gier, Masslosigkeit, Anmassung, Eitelkeit, Übertreibung, Unvernunft und Untauglichkeit. Vgl. Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 9 ff. (sehr gute Darstellung; S. 22 ff.: chronologische Übersicht der Ereignisse). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Swap, zinsbedingter (coupon swap): Der Austausch von Zinszahlungsverpflichtungen in einer Währung für eine bestimmte Laufzeit. Zweck eines solchen Tausches ist es, den entsprechenden Vorteil, den jeweils ein Vertragspartner gegenüber dem anderen aufgrund seiner Stellung an einem bestimmten Finanzmarkt hat, mit der anderen Partei zu tauschen. Siehe Overnight Indexed Swap, Swap, Zinsswap. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

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