Finanzlexikon M

Mahngebühr (arrears fee, dunning charge): Zahlung, die ein Schuldner in Verzug zu leisten hat für die Aufwendungen in Zusammenhang mit der Mahnung (reminder, dunning). Die Rechtsprechung hat dazu im einzelnen festgelegt, welche dem Gläubiger entstandene Kosten (etwa Gebühren eines Anwalts, Auslagen für ein Inkasso-Bureau) in die Mahngebühr eingerechnet werden dürfen. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Marge (margin; spread income; rating spread): Abstand zwischen Ausgabekurs und Tageskurs eines Wertpapiers. Bareinzahlung bei Wertpapierkäufen auf Kredit, die an manchen Börsen zur Sicherung der Forderungen aus Termingeschäften zu hinterlegen ist. Sicherheitsleistung (Kaution) bei einer Terminposition, die Margendeckung. Die Gewinnspanne einer Bank; im grossen ganzen der Unterschied zwischen den Zinssätzen im Einlagengeschäft und Kreditgeschäft. Siehe Bankgebühren, Courtage, Billing, Deduktion, Entgelt, Fristentransformation, Kreditaktien, Margendeckung, Margendruck, Mindesteinschuss-Sätze. Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2006, S. 15 ff. (Entwicklung der Margen bei deutschen Banken seit 1999; sehr viele Übersichten und feingegliederte Statistiken) sowie den jeweiligen Septemberbericht der Deutschen Bundesbank. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Mark (mark; Achtung: im Amerikanischen oft auch mark = thousand!): Währungseinheit in Deutschland von 1871 bis zur Währungsunion 1999; der Name leitet sich aus einem mit einem Stempel (Kontrollmarke) versehenen Metallbarren her. Zuvor war die Mark schon in Teilstaaten Grundeinheit; die Kölner Mark (233,85 g Silber) schuf bereits im Mittelalter ein Vorbild für viele andere spätere Markstücke. Die Mark Banko hatte als Verrechnungsgeld von Hamburg aus Bedeutung gewonnen. Die preussische Mark wurde 1838 zur sog. Münzmark des Deutschen Zollvereins. Siehe Goldmark, Halling, Münzfuss, Reichsmark, Ort, Pfennig, Taler.
Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Marktmechanismus (market mechanism, market forces): Ein in vielen Akten der Produktion, Finanzierung und Distribution zusammenwirkendes, vermaschtes und vernetztes System, das ein den Käuferwünschen entsprechendes Angebot erreicht. Notwendige Voraussetzung für diesen Wirkmechanismus ist Preisstabilität. Denn nur ein stabiler Geldwert kann die Knappheiten einwandfrei messen, den erforderlichen Input an Faktoren genau bewerten und so das entsprechende Güterangebot hervorbringen. Von daher zeigt sich die Notwendigkeit, dass eine Zentralbank die Masstabeigenschaft des Geldes gewährleisten muss. Siehe Geldabschaffung, Geld, sittliches, Geldrechenhaftigkeit, Geldwertstabilität, Inflation, Marktliquidität, Menükosten, Monetisierung, Money-matters-Theorem, Nominalwertprinzip, Popitzsches Gesetz, Tausch-Gutschein, Zinsallkokations-Funktion. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Marktrisiko-Stresstest (market risk stress test): Von der Deutschen Bundesbank jährlich durchgeführte und im Finanzstabilitätsbericht veröffentlichte sowie ausführlich erörterte Modellrechnung. Dabei werden ausgewählte Institute Risikoereignissen in Bezug auf Zinsen, Aktienkursen, Wechselkursen, Volatilitäten und risikobedingten Zuschlägen an den Finanzmärkten ausgesetzt. Zur Beurteilung der Tragfähigkeit der daraus sich ergebenden Marktwertverluste der bilanziellen und ausserbilanziellen Posten wird das haftende Eigenkapital zum Zeitpunkt des unterstellten Schocks zugrunde gelegt. Siehe Ansteckungswirkungen, Liquiditätskrisenplan, Marktrisiko, Modelle, geldpolitische, Stress-Test. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Marktzins(satz) (market interest rate): Der Zinssatz, der augenblicklich für das Angebot (Einlagezinsen) und die Nachfrage (Kreditzinsen) für Leihgeld in den jeweils verschiedenen Verwendungszwecken und daher in den einzelnen Marktsegmenten herrschend ist. Letztlich hängt der Marktzins mehr oder minder eng vom Leitzins der Zentralbank ab. Siehe Eurepo, EURIBOR, LIBOR, Zinsgefüge, Zinsniveau. Vgl. Monatsbericht der EZB vom August 2009, S. 103 ff. (Abhängigkeiten theoretisch und empirisch aufgezeigt; Übersichten; Literaturverweise). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Martin-Prinzip (Martin theorem): Eine Zentralbank muss auf eine die Liquidität einschränkende Geldpolitik umschwenken, sobald sich erste Anzeichen einer Überhitzung und die Gefahr einer Blase zeigen („take away the punchbowl [die Bowlenschüssel: die Trunkenheit bewirkenden Getränke, sprich: das billige Geld] just as the party got going“). Diese Daumenregel stellte William McChesney Martin (1906-1998) auf, der von 1951 bis 1970 als Chef der Zentralbank der USA amtete. Dem wurde entgegengehalten, dass eine Einschränkung der Liquidität den Zins erhöht, damit Investitionen verteuert und deshalb die Gefahr der Arbeitslosigkeit in sich schliesse. Demgegenüber ist aber zu beachten, dass ein leichter Anstieg der Arbeitslosigkeit jetzt (rise in unemployment now) weniger Wohlfahrtsverluste mit sich bringt als mehr Arbeitslosigkeit im Zuge einer Baisse oder gar einer Finanzkrise, wie die auf die Subprime-Krise folgende. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Übersehen werden darf freilich nicht die aus der Finanzgeschichte vielfach bewiesene Tatsache, dass eine Zentralbank eine Blase grundsätzlich nicht verhindern kann. Wenn (gar weltweit) sehr viele Kleinanleger die Erwartung hegen, durch ein entsprechendes Engagement an der Börse jetzt auch endlich einmal zu Reichtum zu kommen, dann werden Kredite bei den Banken aufgenommen, um solche Geschäfte zu finanzieren.

Auch ein sehr hoher Zins schreckt die Anleger diesfalls nicht ab; zumal dann nicht, wenn sich (was ja eine Blase kennzeichnet) der Kurs des bezielten Vermögensgegenstandes (wie Tulpen, Immobilien, Aktien, Rohstoffe) aufgrund der Nachfrage sehr vieler Spekulanten sprunghaft erhöht. Ein Leaning against the wind ist in solchen Fällen aussichtslos. Der Zentralbank bleibt nur das Cleaning up after. Siehe Blase, spekulative, Dotcom-Blase, Rohstoffblase, Geldpolitik, Stabilitätsfonds, europäischer, Tulpencrash, Vermögensblase.

Megamergers (so auch im Deutschen gesagt): Der Zusammenschluss (in der Regel zweier) grosser Banken zu einem einzigen Institut. Wie die Erfahrung gelehrt hat, dauert es oft ein Jahrzehnt und länger, bis die positiven Grössen-Effekte aus einer solchen Verschmelzung wirksam werden, falls es zu solchen überhaupt je kommt. Siehe Allianzen, grenzüberschreitende, Bankbetriebsgrösse, optimale, Bankfusionen, Bayrische Hypo- und Vereinsbank AG, Bestreitbarkeit, Dezentralisations-Prinzip, Downsizing, Gibrat-Regel, Gigabank, Grössen-Effekte, Konsolidierung, Korrespondenzbank-Beziehung, Megamanie, Octopus, Penrose-Theorem, Subsidiaritätsprinzip, Synergiepotentiale. Vgl. Monatsbericht der EZB vom Mai 2005, S. 83 ff. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Meliorationskredit (credit for cultivation of land): Darlehn zur Verbesserung der agrikulturellen Bewirtschaftung von Grund und Boden. Vor allem im 18. Jht. in den europäischen Ländern im Zuge der Politik „innerer Kolonisation“ meistens vom Staat direkt oder durch eigens dazu gegründete Institute in den einzelnen Staaten (Landeskulturrentenbanken) vergeben; auch wurden die Darlehn häufig zur Regulierung und Eindeichung von Gewässern sowie zum Kanalbau vergeben. Der Schuldner hatte das Darlehn grundsätzlich durch Einräumung einer Hypothek oder Grundschuld an land- oder forstwirtschaftlich benutzbaren Grundstücken sicherzustellen. Meliorationskredite sind in letzter Zeit im Zuge der Entwicklungshilfe wieder bekannt geworden. – Siehe Bodenkreditinstitut, Ernte-Unterstützungskredit, Flüchtlingssiedlungskredit, Landeskulturrentenbanken, Seehandlung, Siedlungskredit. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Mikro-Finanzierung (micro lending): Darlehn an Kleinstunternehmen (deren es weltweit etwa 550 Mio gibt), die von verlässlichen Finanzdienstleistungen grösstenteils ausgeschlossen und oft genug dem Wucher ausgeliefert sind. Soweit Banken diesen Markt (in vielen Schwellenländern mit staatlicher Rückendeckung oder gar Bürgschaften) bedienen, sind fast alle Darlehn pünktlich zurückbezahlt worden. Die Gewährung von Darlehn an Existenzgründer, und hier wiederum besonders an Start-ups im Nebenerwerb. Bei den Banken erfordern solche Kredite bei knapper Zinsspanne einen erheblichen Bearbeitungsaufwand (administrative workload); sie bedürfen zudem eines breiten, nachhaltigen Betreuungsumfangs (lasting ongoing servicing) und verschaffen der Bank gleichzeitig ein hohes Kreditrisiko. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Daher verlagerten sich solche Darlehn gutteilig auf Risikokapitalfonds, (halb)staatliche Sonderinstitute und Corporate Venture Capital-Gesell­schaften. Siehe Bootstraping, Burn Rate, Business Angel, Drittphase-Finanzierung, Gründerbank, Inkubator, Innovationsfonds, Liebesgeld, Private Equity-Finanzierung, Qardal-Hasan, Seed Capital, Sweet Equity. Vgl. Monatsbericht der EZB vom Oktober 2009, S. 105 ff. (Finanzierungsprobleme in Schwellenländern). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Millionenkredit (large-scale credit): Sehr hohe Darlehn, die ein Kreditinstitut einem einzigen Schuldner bzw. an eine zusammenhängende Schuldnereinheit gewährt. Solche Ausleihungen werden von den Aufsichtsbehörden besonders überwacht. In Deutschland gilt seit 1997 eine eigene „Grosskredit- und Millionenkreditverordnung, (GroMIKV)“, in der die Berechnung der Grosskredite genau festgelegt wird. Siehe Adressen-Risiko, Arbeitsgruppe Evidenzzentralen, Evidenzzentrale, Gini-Koeffizient, Granularität, Grosskredite, Herfindahl-Hirschman-Index, Klumprisiko, Kontrahentenrisiko, Konzentrationsrisiko, Kreditereignis, Kreditversicherung, Solvenzrisiko, Value-at-Risk. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Oktober 2002, S. 22 ff., Jahresbericht 2002 der BaFin, S. 54, Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 116 (Inkrafttreten der GroMIKV; Verzahnung mit SolvV; Risikoberechnung), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 158 (Millionenkreditmeldungen an die BaFin ab Jahresbeginn 2010 auf Grundlage des Barwertes statt des Buchwertes zugelassen sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel „Aufsicht über Banken, Finanzdienstleistungs- und Zahlungsinstitute“, Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2006, S. 39 f. (Adressenkonzentration-Risiken), Geschäftsbericht 2006 der Deutschen Bundesbank, S. 95 (Neufassung der GroMIKV), Geschäftsbericht 2009 der Deutschen Bundesbank, S. 105 (aufgeschlüsselte
Statistik der Millionenkredite 2001-2009).

Mindestanforderungen an das Kreditgeschäft, MaK (minimum requirements for credit operations): Von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht im Dezember 2005 erlassene Richtlinien in Bezug auf die Organisation des Kreditgeschäftes (Best Practices) in Anlehnung an § 25a, Abs. 1 KWG. Sie gelten für sämtliche Kreditinstitute in Deutschland, während die qualitativen und quantitativen Mindestanforderungen der internen Ratingsätze von Basel-II nur für Banken gelten, die diese anwenden. Seit Anfang 2007 ist eine entsprechende EU-Richtlinie bindend. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Siehe Due Diligence, Internal Capital Adequancy Assessment Process, Kapitalbedarf, ökonomischer. Vgl. Jahresbericht 2002 der BaFin, S. 55 ff., Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 102 ff., Jahresbericht 2005 der BaFin, S.104 ff. (S. 105: Übersicht; Merkmale „Flexibilität, Praxisnähe, Deregulierung“, S. 106: modularer Aufbau mit Übersicht) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2006, S. 87 f. (Grundsatz der doppelten Proportionalität; S. 88: Übersicht der Module).

Mittel, freie (uncommitted funds): In einem Unternehmen die zur einer Finanzanlage zur Verfügung stehenden Beträge; nämlich Geld, das zur Aufrechterhaltung des laufenden Zahlungsverkehrs entbehrlich und für betriebliche Vorhaben derzeit nicht benötigt wird. Barmittel, Cash-Management, Finanzplanung, Gap-Analyse, Liquiditätsformen. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Mittel, liquide (liquid resources): Wenn nicht anders definiert, die Summe aus dem Bestand an Zahlungsmitteln und freien Kreditlinien eines Unternehmens. Siehe Puffer. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Mittelstandsbank (bank for small and medium-sized bussinesses): Von Politikern in Deutschland geforderte (staatlich bezuschusste) Bank mit dem alleinigen Zweck der Kreditgewährung an mittelständische Firmen (small and medium-sized enterprises). Die im internationalen Vergleich schlechte Ausstattung mit Eigenkapital der Mittelstandsfirmen kann aber über finanzpolitische Massnahmen (Entlastung bei der Gewinnbesteuerung) eher erreicht werden als über eine Mittelstandsbank, die schlechte Risiken mit gleichen Konditionen bedient wie gute Adressen und damit die Zuführung des Kapitals an den besten Wirt (most favourable allocation of resources) verhindert. Siehe Bad Bank, Bonitätsklasse, Negativauslese, Rate der Kreditkunden, Risikoadjustierung, Strukturumbruch. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Mittelstandskredit (credit for small and medium-sized enterprises and handicrafts): Kredite an kleinere und mittlere Unternehmen (KMUs) sowie an das Handwerk, in der Regel im Zuge der staatlichen Mittelstandsförderung (promotion of SMEs) durch besondere Massnahmen (wie Zinsverbilligung, Bürgschaften) begünstigt und abgestützt. Weil KMUs in Deutschland einen bedeutenden Anteil an der Entwicklung neuer Ideen, Techniken und Produkte haben, so liegt eine möglichst reibungslose Versorgung dieser Unternehmen mit Darlehn im Interesse des Wachstums der Gesamtwirtschaft. Siehe Mittelstand, Unternehmensanleihen. Vgl. Monatsbericht der EZB vom Juli 2009, S. 75 (Auswirkung einer Bürgschaft auf die öffentlichen Finanzen). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Mobile Banking (so auch im Deutschen, seltener [und missverständlich!] mit ambulante Bankgeschäfte übersetzt): Abwicklung von Bankgeschäften mittels WAP-tauglichem Mobiltelephon (Handy und Händi: so nur im Deutschen gesagt; sonst cell[ullar] phone oder mobile [phone]). Siehe Bankportal, Bezahlverfahren, innovative, Container Banking, Electronic Banking, Internetbank, Metcalfe-Regel, Multikanalbank, Online-Banking, Phishing, Rechtsrisiken, Sofa-Banking, Telebanking. Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2009, S. 62 ff. (Entwicklung einzelner Verfahren des Mobile-Banking; Literaturhinweise). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Mobiliarkredit (advances against pledging of personal estate): Die Ausleihung einer Bank gegen Verpfändung von Wertpapieren oder Waren. Siehe Pfand, Realkredit. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

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