Finanzlexikon C

Calls for Advice (so auch zumeist im Deutschen gesagt, seltener Aufruf zur Hinweisgabe): Wenn nicht anders definiert, die von der Aufsichtsbehörde ausgesprochene Einladung an die zu Beaufsichtigten (Banken, Versicherungen) zur Mithilfe bei der Erarbeitung neuer prudentieller Bestimmungen. Durch entsprechende Auswirkungsstudien wird erreicht, dass aufsichtsrechtliche Vorschriften praxisnahe sind, und Vorschriften von den Betroffenen als sinnvoll (weil letztlich dem eigenen Geschäftsinteresse förderlich) anerkannt werden. – Siehe Aufsichtsgespräche, Lamfalussy-Verfahren, Regelersteller. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Card Validation [daneben auch: Verification] Code, CVC2 [CVV2] (so auch im Deutschen gesagt): Eine auf Kreditkarten aufgedruckte oder eingeprägte Prüfnummer. Sie hat den Zweck, die Nutzung gefälschter und gestohlener Kreditkarten einzuschränken. Das kann man dadurch, weil sich anhand der Prüfnummer (durch den Ausgeber der Karte) feststellen lässt, ob die Kreditkarte nachgemacht oder gesperrt ist. – Siehe Ablehnung, Card Validation Code, Chipkarte, Geldautomaten-Sperre, Geld, elektronisches, Geldkarte, Karte, multifunktionale, Pay-Green-Initiative, Pay per Touch, Prozessor. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Cash Accounting (ebenso im Deutschen; manchmal auch Actual Receipts Method): Die Erfassung aller Geschäftsvorfälle geschieht zum Zeitpunkt der Zahlung, und die Gutschrift bzw. Belastung erfolgt in der Rechnungsperiode, in welcher die Zahlung einging. – Siehe Accrual-Prinzip, Ausschüttungs-Prinzip, Bewertbarkeit, Erfassung, Zinsänderungsvorbehalt. Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom März 2005, S. 34 f. (S. 35 Übersicht der Auswirkung der jeweiligen Berechnungsart auf die Zahlungsbilanz). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Cash Electronic Data Interchange, CashEDI: Ein von der Deutschen Bundesbank 2007 eingeführtes Verfahren zum elektronischen Austausch von Daten im Rahmen des Bargeldverkehrs. Es umfasst die Einreichung von Einzahlungs-Avisen und die Bargeldbestellung bei der Bundesbank. Vgl. Geschäftsbericht 2007 der Deutschen Bundesbank, S. 107. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Cash-Management (so auch im Deutschen gesagt): Die planvolle Sicherung der Liquidität in einem Unternehmen als Teil der Finanzplanung. Die Abwicklung des Zahlungsverkehrs eines Unternehmens durch eine Bank. Ziel ist es, die Liquiditätshaltung der Firma genau vorauszuberechnen, auch mit dem Ziel, dass der Zinsertrag maximiert und auch das Kursrisiko bei Geschäften mit Fremdwährung minimiert wird. Siehe Balance Reporting, Barmittelquote, Cash Pooling, Controlling, finanzielles, Finanzplanung, Liquidität, optimale, Liquiditätsmanagement, Pooling, Unterliquidität. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Cash Pooling (so auch zumeist im Deutschen gesagt, seltener Bargeldzusammenlegung): Wenn nicht anders definiert, so versteht man darunter in einem Konzern der Ausgleich der Bargeldbestände. Diese werden am Tagesende von den Konten der Konzernunternehmen in ein gemeinsames Konto (Pool) bei der Konzernleitung überführt. Aus diesem Pool werden zunächst Liquiditätslücken von Konzernunternehmen gedeckt. Der verbleibende Betrag an Bargeld wird kurzfristig bestmöglich angelegt. Siehe Bonitätsverschlechterung, konzernbedingte, Finanzplanung, Liquidität, optimale. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Chipkarte (chip card, IC [= integrated circuit] card, smart card): Einen Chip (dünnes Halbleiterplättchen, meist aus einer Silizium-Kristallscheibe [Wafer] bestehend, auf dem sich eine integrierte Schaltung oder ein System integrierter Schaltkreise (integrated circuits) mit mikroelektronischen Bau- und Schaltelementen befinden) enthaltende und damit programmierbare Kunststoffkarte für den E-Geld-Verkehr sowie auch für die Bedienung von Zugangskontrollsystemen oder als Versichertenkarte. Als Substitut für Bargeld von Bedeutung, da die Chipkarte aufgeladen (reloaded) und durch Kartenleser (card reader) zur Bezahlung verwendet werden kann.

Eine den Verkehr mit Chipkarten belastende Schwierigkeit bleibt das Einschleusen gefälschter und verfälschter Stücke. Siehe Ablehnung, Card Validation Code, Computerzahlung, Counterfeit Card, EMV-Richtschnur, Fälschungssicherung, Geld, elektronisches, Geldautomaten-Sperre, Geldbörse, elektronische, Geldkarte, Interoptabilität, Karteneinsatzdatei, Kreditkarte, Netzgeldgeschäft, Pay-Green-Initiative, Pay per Touch, Radio Frequency Identification, Rahmenwerk für das Europäische Kartengeschäft, Skimming, Smartkarte, Ticketing, elektronisches, Zahlungskarte. – Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2006, S. 93 ff. (derzeitiger Stand bei Chipkarten; künftige Entwicklung; wichtige Übersichten). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Clearing (so auch zumeist im Deutschen gesagt, seltener Verrechnungsverkehr): Bei Instituten die gegenseitige Aufrechnung (Saldierung; balancing, netting out) der Interbank-Verbindlichkeiten mit den Interbank-Forderungen; der verbleibende Saldo wird in Zentralbankgeld beglichen. Den Saldenausgleich zwischen (konzernmässig verbundenen) Unternehmen bezeichnet man demgegenüber als Netting. In Deutschland stellt sich die Deutsche Bundesbank und ihre Filialen zur Abwicklung des Clearing-Verkehrs zur Verfügung. Siehe Euroclear, Kompensation, Netting, Zahlungsausgleich. Vgl. Jahresbericht 2001 der EZB, S. 145 f. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Commerzbank: Diese 1870 gegründete zweitgrösste deutsche Grossbank (nach der Deutschen Bank) kam im Zuge der auf die Subprime-Krise folgenden Finanzkrise ins Schlittern. Sie musste im Januar 2009 vom Staat gerettet werden. Siehe Bailout, Bank, systemische, Bankenrettungsgesetz, Banktestament, First-Mover-Bonus, Moral Hazard, Notfallfonds für Krisenbanken, Too big to fail-Grundsatz. Vgl. Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 18 (Einzelheiten der Teilverstaatlichung). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Community Card (so auch im Deutschen gesagt, seltener gemeinschaftliche Warenverkehrskarte): Im Handel eine zentrale Kundenkarte, die von mehreren Partnern sich ergänzender Konsumbereiche herausgegeben wird, und die in der Regel verschiedene Funktionen (wie z. B. Bonus- und Kreditfunktion) bündelt. Durch Erweiterung ihrer Gebrauchsmöglichkeiten (etwa als Telephonkarte) versucht man, die Attraktivität der in Deutschland bis anhin noch wenig verbreiteten Community Cards schrittweise zu erhöhen. Ein Problem (an unresolved issue) bleibt dabei das Einschleusen von gefälschten Karten. Siehe Auszahlung, Cobranding-Karte, Computerzahlung, Counterfeit Card, Chipkarte, Geld, elektronisches, Karte, multifunktionale, Kreditkartenfiasko, Netzgeldgeschäft, Pay-Green-Initiative, Skimming, Sparbuch, Ticketing, electronic. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Controlling, finanzielles (financial controlling): Die mittelfristige Finanzplanung (Budgetierung) und das Liquiditätsmanagement allgemein bzw. in einer Bank. Bankdienstleistung, bei der von Fachkräften der Bank selbst oder ihr nahestehender Dienstleistungszentren die Finanzplanung und das Liquiditätsmanagement für kleinere und mittlere Unternehmen gegen Bezahlung übernommen wird. Siehe Cash-Management, Consulting. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Counterfeit Card (so auch im Deutschen gesagt): Eine unechte Geldkarte, die nicht von der Karten ausgebenden Bank in Umlauf gebracht, sondern von Fälscherwerkstätten (derzeit vor allem in Asien) hergestellt wurde. Die Falsifikate sind seit etwa 2000 so ausgereift, dass sie selbst von Experten erst nach aufwendiger Prüfung als nachgemachte Karte sicher zu erkennen sind, und im täglichen Verkehr als Fälschung nur selten auffallen. Eine zwar von einem rechtmässigen Ausgeber in Verkehr gebrachte Geldkarte, die aber durch Umcodierung (code conversion) verfälscht wurde. Siehe Ablehnung, Blind Pool, Brücke-Abneysches Phänomen, Card Validation Code, Computerzahlung, Einziehung, Enabler, Geld, böses, Konto, falsches, Phishing, Prozessor, Racheengel, Schattenbankbereich, Skimming, Underground Banking, Winkelmakler. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Covenant (so auch im Deutschen gesagt): Im Bezug auf den Finanzmarkt eine Verpflichtungserklärung, die ein Unternehmen der kreditgebenden Bank abgibt. In ihr werden im einzelnen Dinge wie Verschuldungsverbot bei anderen Banken, Gestellung von Sicherheiten, Informationspflichten oder Veräusserungsverbote (Legal Covenants) festgelegt. Darüber hinaus verspricht das Unternehmen, bestimmte Bilanzrelationen einzuhalten, gewisse Bilanzposten in vereinbartem Mindest- bzw. Höchststand zu belassen (sog. Cover Ratios), Ergebniskennzahlen der Bank laufend mitzuteilen usw. (Maintenance Covenants, Financial Covenants) und die fälligen Zahlungen für Versicherungen und Steuern aufrechtzuerhalten (Affirmative Covenants). Im Falle der Nichteinhaltung hat das Unternehmen (in der Regel vorher vertraglich festgelegte) Konventionalstrafen (hier meistens Pönale genannt) an die Bank zu zahlen.

In manchen Verträgen gibt die Nichteinhaltung eines Covenants der Bank auch das Recht, das Darlehn sofort fällig zu stellen (kassatorische Klausel). Siehe Bankkunden-Profil, Basel-II, Corporate Finance, Drittverzugs-Klausel, Downgrade-Trigger-Klausel, Emerging Markets, Event of Default, Financial Covenants, Kredit-Punktbewertungsverfahren, Kreditverbriefung, Kunden, faule, Leveraged Loans, Mindestanforderungen an das Risikomanagement, Risikoabteilung, Risikogewichtung, Risikokontrolle, Risiko-Messverfahren, Risk Reporting, Risikoüberwachung, gegliederte, Schock-Bewältigung, monetäre, Szenarien, aussergewöhnliche, Verwirkungsklausel. Vgl. Monatsbericht der EZB vom August 2007, S. 102 (Covenants bei Leveraged Buy-outs). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Credit Default Swap-Spreads (so auch im Deutschen gesagt; seltener: Kreditausfall-swap-Prämie): Die Rendite-Abstände von nominell gleich ausgestatteten Wertpapieren, in den Berichten der Zentralbank in der Regel auf Staatsanleihen bezogen. CDS-Spreads von Staatsanleihen werden in Ländervergleichen (auch innert des Eurogebiets) als Messgrösse für das mit der Haltung des entsprechenden Wertpapiers verbundenen Kreditrisiko betrachtet. Vgl. Monatsbericht der EZB vom September 2005, S. 36 f. (mit Übersichten), Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 19 (Prämien-Entwicklung 2004 bis 2006), Vgl. Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 164 ff. (Prüfungen der BaFin). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Credit Default Swap, single name (so auch im Deutschen gesagt): Ein Credit Default Swap, der sich auf die Kreditbeziehung mit nur einem einzigen Schuldner bezieht. Hier überträgt der Sicherungsnehmer dem Sicherungsgeber (fixed rate payer) im Gegenzug das Referenzaktivum (etwa: Anleihen, Buchkredite). Erfolgt die Abwicklung durch eine Lieferung von Wertpapieren (physical settlement: der Marktstandard), dann hat der Sicherungsnehmer in der Regel die Wahl zwischen gleichartigen Wertpapieren (cheapest-to-deliver option).

Möglich ist aber auch die Vereinbarung einer Ausgleichszahlung in Höhe der Differenz zwischen dem Nominalwert des Referenzaktivums und dem Marktwert nach Eintritt des Kreditereignisses (cash settlement). Das findet vor allem dann statt, wenn der CDS ein Kreditportfolio absichert, aus dem einzelne Darlehn schwer auszusondern sind. Anfang 2005 machten die Single-name-CDS knapp über 50 Prozent des weltweiten Marktes für Kreditderivate aus. Siehe Kreditderivat. Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2004, S. 44 f. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Credit Enhancement (so auch im Deutschen; hier und da auch mit Bonitätsverbesserung übersetzt): Die Bereitstellung zusätzlicher Sicherheiten für ein Darlehn allgemein und im besonderen für eine Zweckgesellschaft mit dem hauptsächlichen Ziel, deren Rating zu verbessern und dadurch die Zinszahlung an die Anleger (vor allem an die Käufer von Tranchen, die eine Zweckgesellschaft begibt) zu verringern. Solche Sicherheiten können auch eine Versicherung für allfällige Kreditausfälle oder eine Garantieerklärung sein. Im Zuge der Subprime-Krise 2007 stockte plötzlich der Absatz von Verbriefungspapieren. Die Conduits mussten jetzt die ihnen (auf dem Wege des Credit Enhancements seitens der originierenden Banken) eingeräumten Fazilitäten in Anspruch nehmen.

Gemäss dem geltenden Stimmrecht-Kriterium (voting control rule) hatten die Banken aber ihre Zweckgesellschaften nicht konsolidiert (in der Bilanz nicht berücksichtigt). Da viele Institute nunmehr unerwartet ihre Conduits vor der Insolvenz bewahren mussten, entstand ein sehr hoher Liquiditätsbedarf. Einige Banken kamen in Turbulenzen, und die Zentralbanken mussten das Austrocknen des Marktes für kurzfristige Kredite durch die Bereitstellung von Liquidität verhindern. Siehe Aktivitäts-Verlagerung, bilanzbestimmte, Aval, Back-to-Originator-Postulat, Defeasance, Garantie, Kreditzusage, unwiderrufliche, Portfolio-Versicherung, Rückzahlung, vorzeitige, Stimmerecht-Kriterium, Subprime-Krise, Unterstützung, stillschweigende, Verbriefungspapiere-Selbstbehalt, Zweckgesellschaft-Konsolidierung.

Vgl. Monatsbericht der EZB vom November 2007, S. 18 ff. (Auswirkungen der Subprime-Krise; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Dezember 2007, S. 32 ff. (Liquiditätssteuerung durch die Mindestreservepolitik während der Subprime-Krise), S. 45 ff. (Umfrage zum Kreditgeschäft in Zusammenhang der Subprime-Krise; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Januar 2008, S. 16 ff. (Liquiditätshilfen der EZB), Monatsbericht der EZB vom März 2008, S. 26 f. (Fragen der Rechnungslegung nach IAS 39; Übersichten). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Cross-Border-Geschäft (so auch im Deutschen gesagt): Ein Finanzdienstleister mit Sitz im Ausland, der im Inland über keine Niederlassung verfügt, wendet sich über das Internet oder durch inländische Vermittler zielgerichtet an Kunden im inländischen Markt. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht betrachtet solche Tätigkeiten als erlaubnispflichtig und hat dazu auch ein Merkblatt herausgegeben. Vgl. Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 209 f. (Rechtsstreit in dieser Sache), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 233 (Grundsatzentscheidung). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

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