Fast jeder zweite Deutsche kennt den Dispozins seiner Bank nicht

Der Dispositionskredit ist für alle Girokonto-Inhaber mit regelmäßigem Einkommen verfügbar, ebenso flexibel wie unbürokratisch zu erhalten und rettet so manchen Bundesbürger am Ende des Monats über die Runden. Diese scheinbaren Privilegien werden von rund der Hälfte der Deutschen zumindest zeitweise gern in Anspruch genommen, berichtet das Statistikportal Statista.

Die Gründe für die Beliebtheit des Dispos sind vielfältig: Der kurzfristige Kredit ist einfach verfügbar, ohne umständlich viele Angebote vergleichen zu müssen und in der Regel sogar, ohne überhaupt mit einem Bankmitarbeiter zu sprechen. Die Banken räumen meist zwei bis drei Nettogehälter Spielraum ein – das reicht bereits für die eine oder andere Anschaffung oder um Engpässe zu überbrücken.

Bis zu 20 Prozent Zinsen

Das lassen sich die Kreditinstitute allerdings auch gut bezahlen. Im Durchschnitt beträgt der Dispozins aktuell zehn Prozent, manche Banken verlangen bis zu 14 Prozent. Angesichts des historisch niedrigen Zinsniveaus ist das eine erschreckend hohe Zahl. Nimmt man über den Dispokredit hinaus Geld in Anspruch und es fallen Überziehungszinsen an, können sogar bis zu 20 Prozent fällig werden.

Aufgrund dieser hohen Zinsen steigen die Schulden kontinuierlich an und fällt es folglich vielen schwer, aus der Dispofalle wieder heraus zu kommen. Einer Umfrage von Statista zufolge nutzen rund 10 Prozent der Befragte den Dispo jeden Monat, 8,2 Prozent sind permanent im Minus.

Unwissenheit in puncto Zinssatz

Wie viel sie dafür eigentlich an Zinsen aufbringen müssen, wissen viele jedoch gar nicht. Einer Forsa-Umfrage aus dem Jahr 2016 zufolge können rund 42 Prozent der Befragten die Höhe ihres Dispozinssatzes nicht nennen. Unwissenheit besteht vor allem bei jungen Menschen – hier wussten 53 Prozent nicht Bescheid – und bei Einkommensschwachen. Rund 50 Prozent der Befragten mit einem Nettoeinkommen von unter 1.500 Euro ist die Höhe der Zinsen unbekannt.

Geheimnis Dispozins

Allerdings schweigen sich die Banken über die Höhe des Zinssatzes auch gerne aus. Dabei besteht seit Frühjahr 2016 die Verpflichtung, diesen im Internet zu veröffentlichen – eine Regelung, der viele Banken nicht nachkommen.

Die Stiftung Warentest überprüft regelmäßig die Höhe des Dispozinssatzes bei verschiedenen Banken und Sparkassen und kommt auch im Jahr 2016 wieder zu dem Schluss: Die Dispozinsen sind zu hoch und der Zinssatz lässt sich bei zahlreichen Banken erst nach umständlicher Recherche oder direkter Nachfrage herausfinden.

Umschuldung lohnt sich

Gerade Kontoinhaber, die dauerhaft im Dispo oder mit einem sehr hohen Betrag verschuldet sind, der sich nicht im Folgemonat einfach ausgleichen lässt, sind gut beraten, den kurzfristigen Kredit möglichst schnell abzulösen, um dem horrenden Zinssatz zu entgehen.

Ein Kleinkredit hat fast immer niedrigere Zinssätze, oftmals lässt sich mehr als die Hälfte der Zinsausgaben sparen. Welcher Kredit besonders günstige Konditionen hat, lässt sich durch einen Kreditvergleich im Internet herausfinden. Spezialisierte Portale listen alle infrage kommenden Ratenkredite inklusive der Konditionen auf und beraten darüber hinaus zum optimalen Angebot. So kann es unter bestimmten Umständen ratsam sein, beim Kreditvergleich einen Verwendungszweck anzugeben, denn zweckgebundene Kredite haben oft einen besonders günstigen Zinssatz.

Vorsicht ist dagegen bei Versicherungen und Nebenkosten geboten: Gebühren sind unzulässig, nicht aber die sogenannten Nebenkosten, zum Beispiel für die vorzeitige Ablöse der Kreditsumme. Auch eine Restschuldversicherung ist oft unnötig, vor allem bei kurzen Laufzeiten. Achten Sie daher unbedingt auf das Kleingedruckte. Die Nutzung eines Kreditvergleichs im Internet ist auch deshalb ratsam, weil viele Portale Extrazinsen anbieten können, die es nur bei Abschluss über das Portal gibt.